Turnier in Zotzenbach

Wolkenberge Dunst ist grau

Stetig prasselt Regen

In Odenwaldes tiefer Au

Ist dieser Platz gelegen

3. Platz beim Weschnitztal Cup 2010

Ein kleiner Kunstrasenplatz in einer Odenwälder Talsenke, selbst mit google.earth kaum zu finden, ist Heimat unseres heutigen Gastgebers Eintracht Zotzenbach. Auch das Vereinsheim ist recht klein geraten. 10 Teams teilten sich zwei winzige Umkleidekabinen und nur ein schmales, etwa 15 Meter langes Vordach schützte vor dem stetig niedergehenden Regen. Hinzu kam ein kleiner Gastraum, in dem man zum Aufwärmen auch die Fußballbundesligaübertragung anschauen konnte.
Noch heimeliger wurde das Ganze durch a) den Zeitplan und b) das Wetter. Mit dem Zeitplan meine ich an dieser Stelle, den recht späten Turnierbeginn (16.30 Uhr). Ab 18.30 war es stockdunkel (was auch bis zum Turnierende gegen 21.00 Uhr so blieb) und etwas schwachbrüstige Flutlichter ermöglichten es, die Spiele so einigermaßen zu verfolgen. Laut Anton sei es aber für die Spieler hell genug gewesen. (In Walldorf gibt das Flutlicht übrigens auch nicht mehr her.) Mit Wetter meine ich das ständige Geregne, das mich offenbar so beeindruckt hat, dass ich es zu dieser frühen Berichtstelle schon zum dritten Mal erwähne. Hinzu kam aber noch, dass es oktobermäßig kühl war und die Kronen der umstehenden Bäume hin und her wiegten, worauf z. B. Herr Duran wiederholt hinwies.
So war es letztlich gar nicht so ungünstig, dass wir aufgrund später Abfahrt, Stau auf der Autobahn und diversen Straßensperrungen erst ca. sieben Minuten vor Anpfiff unseres ersten Spieles volle Mannschaftsstärke erreicht hatten. Davon abgesehen hatten wir es mit einer angenehmen und zuvorkommenden Turnierleitung zu tun, auch das Bewirtungspersonal und die gesamte Atmosphäre war sehr freundlich, die Pommes knackig, die Preise moderat und auch die Schiedsrichterleistungen waren insgesamt sehr gut.

Gespielt wurde in zwei Fünfergruppen, Spielzeit je 15 Minuten. Die Gruppenersten und –zweiten kamen ins Halbfinale. 10 Mannschaften auf zwei Plätzen ergeben einen Mannschaften/Spiel-Quotienten von 2,5. Dadurch, dass nur die ersten vier Plätze ausgespielt wurden, insgesamt also 12 Parallelspiele (insgesamt 24 Turnierspiele) stattfanden und wir als Halbfinalteilnehmer 6 Spiele hatten, ergab sich für uns sogar ein Quotient von glatt 2, ein Wert, den sonst nur das legendäre Rheinhard-Kämpfner-Turnier erreicht. (Für Laien: Viel Spielzeit – wenig Wartezeit – anders als in Goldstein und in Mörfelden)

1. Gruppenspiel: RWW – SC Ludwigshafen 5:2
Späte Anreise, ungewohnte Platzverhältnisse, Zeitverschiebung müssen oft als Alibi für schwache Leistungen herhalten. Nicht so hier. Aus dem Auto in die Socken auf den Platz und los gings wie Dynamo Kiew Ende der Siebziger. Der keineswegs schwache Gegner wurde zunächst atomisiert. Nach vier Minuten lupfte Adrian den Ball aus ganz spitzem Winkel etwa einen halben Meter vor dem am Boden liegenden Torhüter über diesen hinweg in die Maschen. Das war ruhig und überlegt. Die Torschützen wurden vom Stadionsprecher übrigens angesagt und schon hier deutete sich an, dass der Name „Adrian“ viele der Anwesenden noch bis in die nächtlichen Träume verfolgen sollte. Vier Minuten später nutzte er die zweite Chance, wiederum sehr ruhig und überlegt. In Minute 9 wuchtete Deniz einen Ball ans hintere Torgestänge und legte wenig später Micki das 4:0 auf. Im Gefühl des sicheren Sieges ließ man ein wenig locker und die Ludwigshafener durften zeigen, dass sie auch Fußball spielen können. Innerhalb einer Minute verkürzten sie per sehenswertem Flugkopfball und dank eines Abwehrfehlers auf 2:4. Ich glaube, sie wollten dann sogar ein drittes Tor erzielen. Einen blitzsauberen Konter beendete Micki zum 5:2 und so wie alles Schöne im Leben einmal vorbei ist, so war es auch bei diesem Fußballspiel.

Dann hieß es kurz abtrocknen, aufwärmen, sich einpacken und trinken.

2. Gruppenspiel: RWW – SC Pfingstberg/Mannheim 1:1
Pfingstberg stand vor dem eigenen Kasten und bolzte den Ball nach vorne, sofern sie ihn mal hatten. Mit einem halben Eigentor verhalfen wir ihnen zur 1:0-Führung. Unsere Spieler taten sich schwer den Abwehrriegel zu knacken. Trainer Oral bemängelte hinterher, wir hätten die Räume nicht breit genug gemacht und die einen oder anderen hätten sich gegenseitig auf den Füßen gestanden. Anton gelang das Kunststück bei zwei Weitschüssen jeweils einen Abwehrspieler genau auf die Zwölf zu treffen. Furkan2 sorgte schließlich mit einem abgefälschten Weitschuss noch für den  verdienten Ausgleich.

Dann nasse Trikots ausziehen, trockene anziehen und bei der Leibchenvergabe (beide Manschaften spielten in rot) schnell „hier!“ rufen, weil die Leibchen ja auch Regen abhalten.

3. Gruppenspiel: RWW – TV Lampertheim 2:0
Lampertheim hat eine recht starke Mannschaft, mit der wir in den letzten Jahren schon des öfteren die Klinge gekreuzt haben. Es war also viel Pfeffer im Spiel. Nach Geschmack von Herrn Kasimir übertrieb es die Lampertheimer Nummer 11 doch arg mit der körperlichen Zuwendung an die Gegenspieler. Und wirklich: es war sicher kein Zufall, dass dieser Spieler irgendwann Deniz im Strafraum von hinten umsäbelte. Den Strafstoß verwandelte Adrian im Nachschuss. Anschließend versuchte es Anton mal mit einem Weitschuss Marke flach. Keine schlechte Idee, denn auf durchnässtem Geläuf wird der Ball schnell und auf tiefer Flughöhe befinden sich auch nicht so viele Köpfe im Weg. Die logische Folge war das 2:0.
Der Lampertheimer Betreuer versicherte gerade seiner Nummer Elf, dass er ganz genau gesehen habe, dass dieser auf gar keinen Fall schuld am Strafstoß gewesen sei. Ich erlaubte mir mit wohlgesetzten Worten da mal einen Denkanstoß zu geben. Der Lampertheimer Betreuer stellte in den Raum, dass auch einer unserer Spieler sich durch körperbetontes Spiel ausgezeichnet hätte. „Ja, aber nur, weil er sich hier mal wehren musste.“ oder so etwas, hätte ich da sagen sollen. Aber meistens fällt einem erst hinterher ein, was man besser gesagt oder nicht gesagt hätte. So wünschten wir uns noch gegenseitig Glück für den weiteren Turnierverlauf. Und das ist ja auch nicht das Schlechteste, was man sagen kann. Herr Kasimir glaubte mich natürlich gleich wieder tadeln zu müssen. Ich müsse doch immer mit irgendwelchen Leuten rumdiskutieren! Dabei hatte er mich während des ganzen Spieles, ob der unfairen Spielweise der Lampertheimer Nummer Elf indoktriniert. Hat er aber die Gelegenheit, seine Beschwerde dahin zu adressieren, wo man etwas für sein Anliegen tun könnte, schweigt er und ich hoffe nicht, dass er dabei magenkrank wird. Ich bin dagegen eher dafür, dass man sich mit seinen Mitmenschen austauscht, auch wenn man sie noch nicht so gut kennt.

4. Gruppenspiel: RWW – FC Bensheim 4:1
Hier tönte der Name „Adrian“ gleich dreimal über den Platz. Nach dem 2:0 orderte der Trainer einen Spieler nach vorne, vergaß aber dafür einen nach hinten zu schicken. Eine Bensheimer Spielerin stand daher völlig verwaist in unserer Hälfte und erzielte aus lauter Verzweiflung ein Tor. War aber nicht schlimm, denn Bensheim war wohl der schwächste Gruppengegner. Furkan2 erzielte das 4:1.

Halbfinale: RWW – FC Arminia Ludwigshafen 1:2
Unsere Jungs waren auch hier feldüberlegen. Allerdings passte die Abstimmung in der Abwehr nicht immer. Ludwigshafen nutzte dies in der zweiten Minute mit einem Konter zum 1:0. Danach wurde das Tor der Arminia belagert. Einige gute und eine 100%ige wurden leider vergeben. Erst in der 12. Minute erzwangen wir mit einem Ludwigshafener Eigentor den Ausgleich. Leider gerieten wir postwendend wieder in Rückstand. Bei einem Arminen-Konter schlug ein RWW-Spieler den Ball vor einem Stürmer vermeintlich aus der Gefahrenzone. Der Ball landete aber genau vor dem Schlappen eines heranstürmenden Ludwigshafeners. Dieser erzielte mit einem Dropkick Marke unhaltbar das 2:1. Unsere Jungs, inklusive Torhüter, warfen noch einmal alles nach vorne. Dieser passte in den Strafraum auf einen freistehenden Mitspieler, ich glaube zu Furkan2. Zum Torschuss kam er jedoch nicht mehr, weil suchomelmäßig abgepfiffen wurde. Schade, aber gegen einen solchen Gegner darf man auch mal verlieren.

Schade auch, dass wir dadurch nicht gegen die gute Mannschaft von Wormatia Worms spielen durften, die am Ende das Turnier gewannen.

Spiel um Platz 3: RWW – SC Ludwigshafen 2:1
So musste wieder der SC Ludwigshafen herhalten. Die wurden wie im ersten Gruppenspiel anfangs überrollt. Adrian mit einem kontrollierten Schuss unter die Latte und Furkan1 aus spitzem Winkel sorgten schnell für die Führung. Dann ließ die Konzentration nach und einige sehr gute Chancen wurden vergeben. Dann war auch die Abwehr nicht mehr organisiert und Ludwigshafen kam zu einigen Chancen. Ich stand hinter dem gegnerischen Tor und konnte nicht so gut erkennen – das schwache Flutlicht! – was sich vor unserem Tor abspielte, musste aber, nach dem was ich sah, des öfteren mit einem Gegentor rechnen. Weil nur eins fiel, war Platz drei unter Dach und Fach gebracht.

Adrian bekam einem Pokal als bester Torschütze des Turniers. Deniz wurde von den Betreuern der teilnehmenden Mannschaften zum besten Spieler des Turniers gewählt – und das völlig zu recht. Herr Oral war trotzdem nicht ganz zufrieden. Denn bei der Wahl zum besten Torhüter hätten seine Kollegen wohl „Tomaten auf den Augen“ gehabt. Sein Torhüter sei klar der Beste gewesen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er den gewählten Torhüter lange genug beobachten konnnte, denn dieser spielte in der anderen Vorrundengruppe.

Das Turnier war kurz und strapaziös. Sportlich hat es sich allemal gelohnt und sich bei widrigen Umständen bewährt zu haben, gibt Selbstvertrauen und verklärte Erinnerungen.

Nach längerer Zeit mal wieder im Zentrum heftiger Diskussionen: Navigationsgerät der Famile Kasimir

Nach längerer Zeit mal wieder im Zentrum heftiger Diskussionen: Navigationsgerät der Famile Kasimir

Nicht verklären kann ich allerdings die Rückfahrt. Zuerst fand der Navi von Herrn Kasimir den Satelliten nicht. Als er ihn fand, lotste er uns nach Zotzenbach zurück, weil der Herr Fahrer vergessen hatte, „Heimatort“ einzustellen. Ich tat gut daran nicht allzu hochmütig zu sein, denn tatsächlich wäre es besser gewesen nach Zotzenbach zurückzufahren. Erst in Heppenheim stellte ich fest, dass ich unseren Sanitätskoffer am Pommes-Stand stehen gelassen habe. Wo ihn mir doch Herr Karabulut vertrauensvoll in Obhut gegeben hatte! Ich werde das aber selbstverständlich ausbügeln.

Heute aber spielten:
Yannick – Adrian (7), Anton (1), Cameron, Deniz (1), Derenik, Furkan1 (1), Furkan2 (2), Micki (2). 1 Eigentor von Arminia Ludwigshafen.

(mc)

19.10.2010: Letzte Meldung: Der Sanitätskoffer befindet sich bei Herrn Oral in Sicherheit. Unmittelbar vor der Abfahrt hatten wir uns auf dem Parkplatz unterhalten. Hatte ich den Sani-Koffer etwa doch bei mir und er hat ihn mir aus der Hand genommen, während er mich ablenkte? Taschendiebe und Zauberkünstler gehen ja so vor.

Die geradezu bilderflutartige Bildergeschichte gibt es hier!

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gelesen: 1828 · heute: 2 · zuletzt am: 7. April 2021

2 Antworten zu “Turnier in Zotzenbach”

  1. Michael K. 17. Okt, 2010 am 19:37 #

    Moooment mal: den guten Hinweis aufnehmend möchte ich zur Vermeidung von Magenproblemen folgendes klarstellen: selbstverständlich hat der Fahrer „Heimatort“ ausgewählt, das Navi hat inzwischen allerdings ein ausgeprägtes Eigenleben. Darauf hatte ich bereits während der Fahrt mehrfach hingewiesen. Behauptungen dieser Art gewinnen auch durch häufigere Wiederholungen nicht an Wahrheit.

  2. Manfred C. 17. Okt, 2010 am 21:23 #

    Jaja, natürlich. Hatte ich glatt vergessen. Dein Navi hat ein „Eigenleben“. Klar.

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