Hallenturnier in Biebrich

Dunkel wars, die Halle enge

Pünktlich die Verspätung war

In Kabinen gabs Gedränge

Fußball, du bist sonderbar

3. Platz beim Hallenturnier in Biebrich

Ausschreibungen zu Turnieren gibts meistens erst mal ohne genauen Zeitplan. Man bekommt den Tag mitgeteilt und der stimmt dann in der Regel auch. (Lediglich RW Walldorf hat es bislang fertig gebracht, ein Turnier mit sechstägiger Verspätung anzupfeifen. Die Vereine waren aber rechtzeitig informiert worden und die Spieler reisten dann auch erst am Spieltag an und keiner musste so lange in Schlafsäcken in der Halle campieren. Also nicht solche Szenen, wie man sie manchmal im Fernsehen sieht.) Man bekommt also den Tag mitgeteilt und muss sich entscheiden. Eine Woche vor Turnierbeginn bekamen wir dann den Zeitplan aus Biebrich, der vorsah, dass unser erstes Spiel am Sonntag um 17.00 Uhr beginnen sollte. Das Endspiel war auf 20.15 Uhr terminiert. Das ist schon sehr spät für Viert- und Fünftklässer, die am nächsten Tag zur Schule gehen müssen, um vielleicht sogar Mathe nachzuschreiben oder Erdquatsch. Solche Tage können ja praktisch über die gesamte Zukunft eines jungen Lebens entscheiden. Wir fuhren natürlich trotzdem hin.
In Biebrich angekommen stellten wir fest, dass das E2-Turnier noch in Gange war und die Veranstalter offenbar gerade erst gemerkt hatten, dass sie sich eine einstündige Verspätung eingefangen hatten. Damit belegen sie in unserer Verspätungsstatistik einen sehr guten 3. Platz hinter RW Walldorf (s. o.) und der SKV Mörfelden, deren Heimturnier ich immer wieder gerne in Erinnerung bringe. Sofort fing mein Großhirn an einen alternativen Turnierplan zu erstellen („Bei N Mannschaften pro Gruppe gibt es N mal N minus Eins durch Zwei Gruppenspiele …“). Sofort ging ich zur Turnierleitung, die mich zu ihrem Oberboss lotsten, ein freundlicher Herr, der ein wenig an Papa Schlumpf erinnerte und das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint. In der mir eigenen hartnäckig-enervierenden Art unterbreitete ich ihm meine Pläne. Um mich schließlich loszuwerden, versprach er, meine Pläne von „seinen Männern“ durchrechnen zu lassen. Sie haben meine Vorschläge zwar nicht beherzigt, aber einige Platzierungsspiele gestrichen und dann in punkto Zügigkeit des Ablaufes ein Schippchen draufgelegt, so dass am Ende sogar ein halbes Stündchen aufgeholt werden konnte. Bravo dafür!

Die Halle war klein, etwa vier Meter schmäler als ein normales Handballfeld, wahrscheinlich auch etwas kürzer. Gespielt wurde mit Rundumbande und Filzball und – wegen der kleinen Spielfläche – nur mit 4 Feldspielern. Das war allerdings vorher nicht mitgeteilt worden, was durchaus ärgerlich war, denn mit einem Torwart und acht Feldspielern waren wir ohnehin schon leicht überbesetzt. Und das bei nur 9 Minuten Spielzeit pro Partie. Gespielt wurde in 3 Vierergruppen, jeder gegen jeden. Die Gruppenersten und der beste Zweite erreichten die Halbfinalspiele.

1. Gruppenspiel: RWW – Biebrich 02 II 4:1
Schon beim vorherigen E2-Turnier hatte die „zweite“ Mannschaft aus Biebrich das Turnier gewonnen, wenn ich mich recht erinnere. Auch im E1-Turnier schien die „zweite“ Mannschaft besser besetzt zu sein als die „Erste“. Sie waren aber nicht so stark, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Mustafa bildete zwei Viererblöcke und wechselte nach etwa der Hälfte der Spielzeit komplett aus. Beide Blöcke waren besser als die Gastgeber, was bei einigen Biebricher Eltern Überraschung auszulösen schien.
Furkan2 auf Pass von Deniz, Deniz selbst, Anton und Micki legten schnell ein 4:0 vor, bevor Biebrich noch der Ehrentreffer gegönnt wurde.

2. Gruppenspiel: RWW – Fvgg Kastel 06 5:2
Auch hier hatte unsere Mannschaft im Grunde leichtes Spiel. Furkan1 schoss Treffer Eins und Drei und hätte auch das Zweite markiert, wenn ihm nicht ein Gegenspieler zuvorgekommen wäre. Die beiden anderen Tore legte Micki Anton und Özkan auf.

3. Gruppenspiel: RWW – Türkgücü Wiesbaden 2:0
Hatten die Wiesbadener noch im ersten Spiel nach ihren Treffern championsleagereif die Ringe geküsst, waren sie hier lediglich in der Verteidigung beschäftigt. Furkan1 hütete bei uns mal das Tor. Yannick wurde in der Spitze angespielt, ließ sofort auf den nachrückenden Ron prallen – „Der Ball ist der schnellste Spieler.“ –, der dann die Führung erzielte: Also Ron erzielte die Führung und nicht der Ball oder auch beide zusammen in Personalunion, wie man es halt sehen will, was weiß denn ich. Deniz erhöhte dann noch zur Sicherheit auf 2:0.

Damit war das Halbfinale natürlich erreicht. Und was war in den anderen Gruppen los? Dort tummelten sich einige bekannte Gesichter.
So war Sonnenberg wieder mit eigenem Rechtsanwalt erschienen. Im ersten Spiel lagen sie 0:1 gegen Biebrich 02 I zurück und waren eigentlich nur in der Verteidigung beschäftigt. In der letzten Spielminute kamen sie aber zweimal vor das Tor des Gegners und gewannen völlig überraschend mit 2:1. Der Lockruf des Halbfinales war deutlich zu vernehmen, zumal sie auch im zweiten Spiel gegen SSG Langen in Führung gingen. Zwischen der 5. und 7. Minute kassierten sie aber gleich vier Tore. Unser Justiziar verließ daraufhin sofort sein Spielerbänkchen, wahrscheinlich, um in den Statuten nachzuschauen, ob man in so kurzer Zeit überhaupt so viele Tore schießen darf. Aber die Turnierleitung kennt möglicherweise ihre Pappenheimer, denn in der „Durchführungsbestimmung“ heisst es: „Bei Unstimmigkeiten trifft die Turnierleitung eine Entscheidung, die nicht anfechtbar ist.“ (eine Klausel, die man unbedingt in Walldorf einführen sollte) und es steht kein Wort über eine erlaubte Torerzielungshöchstgeschwindigkeit darin. Ich weiß nicht, ob er trotzdem mal eine Eingabe gemacht hat, wenn ja, war sie jedenfalls erfolglos.
Auch Herrn Wolff fiel auf, dass jede Mannschaft schon ihren eigenen Stil spielt, ja eine eigene Philosophie zu haben scheint, so wie im großen Fußball auch. Die SSG Langen hatte wie immer technisch gut ausgebildete Spieler und ging kombinatorisch zu Werke. Bei Biebrich spielt man dagegen gerne, mit Verlaub, ein bisschen kampfbetonter und eigensinniger. Die langen Schlakse aus Unterliederbach spielten wieder ein gutes Bällchen. Den Niedernhausenern schenkten sie gleich ein 8:0 ein. Anton mutmaßte, dass man in Niedernhausen möglicherweise so stolz sei, Bewohner  eines Ortes mit S-Bahn-Endhaltestelle zu sein, dass man nicht mehr einsehe, wofür man sich im Leben noch anstrengen müsse, weil man ja kaum noch Größeres erreichen könne. Ich finde es schön, wenn unsere Spieler nicht einseitig auf Sport getrimmt werden, sondern sich schon früh Gedanken über gesellschaftlicher Probleme machen, sowie über das Leben und den Menschen im Allgemeinen – gerade auch, wenn es über die eigene Existenz hinausgeht. Und in unseren Reihen gibt es einige Väter und Mütter, die für Diskussionen über sämtliche Fragen des Lebens gerne und kompetent zur Verfügung stehen.
Interessant ist auch die Philosophie der ebenfalls groß gewachsenen Sportfreunde vom FVV Sportfreunde Frankfurt. Interessant und aufschlussreich besonders hinsichtlich der Tatsache, dass unser Team-Manager Kasimir in seiner Kindheit und Jugend dort den Rasenballsport pflegte. Die Sportfreunde waren denn auch um gepflegten Fußball bemüht, schienen aber nicht um jeden Preis gewinnen zu wollen. Wenn man gar zu heftig hinter dem Ball her hetzen würde, könnte das womöglich zu verbissen wirken oder man könnte eine unwürdige Figur abgeben. Im letzten Gruppenspiel hatten sie noch eine gute Halbfinalchance. Mit einer Slapstickeinlage erlaubten sie den Sonnenbergern aber gleich nach dem Anpfiff in Führung zu gehen. Sie glichen zwar aus, verzichteten aber auf jegliche Tempobeschleunigungen – wir hoffen mal, dass sie hier im Vorfeld nicht etwa aufs juristische Gleiteis geführt worden waren – und verabschiedeten sich so recht sportfreundlich gemeinsam mit den Sonnenbergern aus dem Turnier.

Einen sehr starken Eindruck machte der andere Verein aus Kastel, die TSG Kastel 46, die ihre Gruppe ebenso souverän gewann, wie wir unsere.
Im vorweg genommenen Endspiel trafen wir im Halbfinale auf diese Mannschaft.

Halbfinale: RWW – TSG Kastel 46 1:1, 4:5 nach Neunmeterschießen
Es war schon beeindruckend, wie ballsicher und dominierend unser erster Block auf engstem Raum auch gegen diesen starken Gegner war. Leider fehlte aber die letzte Entschlossenheit vor dem Tor. Auch Block2 kam zu Chancen, ließ aber dem Gegner auch etwas mehr Entfaltungsspielraum zu eigenen Angriffen. Trotzdem brauchte Kastel unsere Mithilfe, um in Führung gehen zu können. In den letzten anderthalb Minuten kam noch mal Block 1 und

Zum Glück dauerte das Turnier heute etwas länger, andernfalls wäre man auf dem Heimweg eventuell auf ihn gestossen: Hui B.

Zum Glück dauerte das Turnier heute etwas länger, andernfalls wäre man auf dem Heimweg eventuell auf ihn gestossen: Hui B.

erzielte durch Deniz auch rasch den Ausgleich. Eine nahezu hundertprozentige Chance ließen wir noch liegen und mussten daher etwas unglücklich ins Neunmeterschießen gehen.
Hier zielte Kastel insgesamt besser. Zwei unserer Schützen rasierten den Außenpfosten. Yannick hielt dagegen nur einen Schuss. Beim letzten Kasteler Neuner hatte er zwar noch die Hand am Ball, konnte das Tor aber leider nicht verhindern.

Während Kastel 46 im Endspiel klar mit 3:1 gegen Unterliederbach gewann, gab es für uns noch ein Trost-Neunmeterschießen um Platz 3 gegen die SSG Langen.
Hier durften die Spieler schießen, die beim ersten Neunmeterschießen nicht zum Zug gekommen waren. Gleich drei unserer Schützen konnten den Filzkameraden nicht genau genug platzieren. Dagegen hielt Yannick drei, eigentlich gut ausgeführte, Schüsse und versenkte auch als Schütze seinen Ball gekasmäßig sicher. Den sechsten Schuss konnte dann Anton verwandeln, während der sechste Langener Schütze dem Ganzen ein Ende machen wollte und aufs imaginäre Eckfähnchen zielte. War auch wieder gut, denn zu Hause warteten schon sowohl Langener als auch Walldorfer Matratzen auf ihren jeweiligen Stammhorcher.

Heute spielten:
Yannick – Anton (2 Tore), Cameron (1), Deniz (3), Derenik, Furkan1 (2), Furkan2 (1), Micki (1), Özkan (1). 1 Eigentor von Kastel 06.

Die Fotostory folgt später!

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gelesen: 1526 · heute: 4 · zuletzt am: 19. Februar 2020

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