3. Platz beim Bezirkshallenpokal in Georgenhausen

Sonnenlicht durchs Hallendach

Stumpf hüpft hier der Futsalball

So mancher Kicker ist schon wach

Spielt mal mit, mal ohne Drall

Die jeweils beiden Erstplatzierten der Kreishallenpokalrunde aus den Landkreisen Dieburg, Darmstadt, Heppenheim, Odenwald und Groß-Gerau waren heute in Georgenhausen eingeladen, um den Bezirkspokalsieger zu ermitteln. Der Veranstalter berichtete uns, dass das Turnier ursprünglich in Walldorf hätte stattfinden sollen, aber das hätte „nicht geklappt“. Vielleicht muss sich in Walldorf ja auch neuerdings der Hallenboden vermehrt „ausruhen“.
Aber nichts ist schöner als ein Ausflug ins Grüne. Klarer Himmel, Sonnenschein, leere Straßen, dazu zwei Chefnavigateure an Bord: das neue GPS-Navi des Herrn Kasimir und das Großhirn des Herrn Wolf, dessen bewegtes Vorleben ihm nachweislich eine beeindruckende Detailkenntnis der hessischen Straßen verschafft hat. Als ich mein Fahrzeug schließlich vor der Halle ausrollen ließ, brandete freundlicher Beifall meiner fünf Mitfahrer auf, ganz so, wie man das bei der Landung eines Flugzeuges erlebt. Was das nun genau über meine Fahrkünste aussagt, kann ich aber nicht so genau einschätzen.

Gespielt wurde in zwei Fünfergruppen, jeder gegen jeden, Spielzeit je 12 Minuten in der Vorrunde und 15 Minuten in den Platzierungsspielen, ohne Bande, auf kleine Tore, mit fünf Feldspielern und – mit einem Futsalball. Dieser Ball ist etwas kleiner als eine normaler Fußball, er springt weniger und es ist schwieriger, einen strammen Schuss (auf Gernsheimerisch: „einen Klotz“) zu bewerkstelligen.

Wir spielten in Gruppe A, wo Starkenburgia Heppenheim und Rot Weiß Darmstadt die vermeintlich stärksten Gegner waren, hinzu kam Viktoria Urberach und der Odenwaldmeister JSG Brensbach/Nd.-K./H. In der anderen Gruppe waren letztendlich nur vier Teams am Start, weil die Mannschaft von Eintracht Rüsselsheim nicht vom eigenen Verein über das Turnier informiert worden war. Der recht nette und kommunikative Veranstalter fragte mich mit leicht enttäuschtem oder sogar vorwurfsvoll anmutendem Ton, wie es sein könne, das der andere Vertreter aus unserem Landkreis einfach fehlt. Da musste ich dann kleinlaut zugeben, dass wir die Rüsselsheimer nicht gestern noch einmal erinnert hatten, dass heute Turnier ist, und sie auch heute früh nicht abgeholt haben. Das nächste Mal werden wir das aber ganz sicher wieder machen.

1. Gruppenspiel: RWW – Viktoria Urberach 1:1
Noch vor wenigen Wochen hatten wir beim Turnier in Dieburg problemlos 3:0 gewonnen. Auch heute hätten wir nach vier Minuten schon 4:0 führen können. Eine wunderschöne Kombination beendete Micki zum 1:0. Drei weitere glasklare Chancen ließen unsere Jungs liegen. Vielleicht fehlte noch ein bißchen die Übung, um mit dem ungewohnten Ball einen vernünftigen Abschluss produzieren zu können. Urberach wurde in der eigenen Hälfte eingeschnürt, erzielte aber den Ausgleich, nachdem ihr überragender Stürmer einen Fehlpass erlaufen und frei aufs Tor stürmen konnte. Nach weiteren Fehlern kamen die Urberacher noch zu zwei oder drei weiteren glasklaren Konterchancen, die Yannick im Tor allerdings entschärfen konnte. Trotz überlegenem Spiel von Rot-Weiss war das Unentschieden für Urberach daher verdient.

2. Gruppenspiel: RWW – Starkenburgia Heppenheim 1:0
Bei den eingangs genannten Bedingungen (kleine Tore, keine Bande, fünf Feldspieler, Futsalball) war es schwer ein Tor zu erzielen, wenn der Gegner die Räume eng macht, laufstark ist und kämpft – selbst wenn er spieltechnisch klar unterlegen ist. Aber unsere Truppe kämpfte ebenfalls bis zur letzten Sekunde. Furkan1 traf das Lattenkreuz. Zwei Minuten vor Schluss schickte Trainer Mutsi Oral Adil aufs Gummiparkett und wies ihn an, „nur neben dem Torwart stehen zu bleiben und sonst nichts“. Die Gelegenheit werde kommen und er solle dann den Ball ins Tor schießen. Mit einer sehenswerten Einzelleistung brachte Deniz vier Sekunden vor Schluss schließlich den Ball vors Tor und Adil markierte das 1:0. Adil meinte hinterher, es sei etwas Glück dabei gewesen, weil der Torhüter den Ball durch die Hände haben rutschen lassen. Außerdem seien noch fünf Sekunden zu spielen gewesen und nicht vier. Micki sprach dagegen von acht Sekunden.

Im Interview nach den beiden ersten Spielen kann man sehen, dass beiden der Starrummel noch nicht zu Kopf gestiegen ist und dass sie mit allen Füßen fest auf dem Boden stehen:

 

3. Gruppenspiel: RWW – RW Darmstadt 2:0
Auch hier waren die Walldorfer klar überlegen, brachten aber zunächst das Runde nicht ins Eckige. Wieder waren Einzelleistungen von Capitano Deniz entscheidend. Zunächst erzielte er die Führung mit einem schönen Distanzschuss. Dann überlupfte er die Darmstädter Abwehrreihe und Anton vollstreckte technisch anspruchsvoll – und durchaus auch humorvoll – mit einem Heber über den Torhüter. Der Rest war Schaulaufen.

4. Gruppenspiel: RWW – JSG Brensbach et al 4:0
Bereits vor dem Anpfiff war das Halbfinale erreicht. Die beiden Teams aus dem Odenwald waren eine ganze Ecke schwächer als die anderen – aus verständlichen Gründen (zu wenige kleine Kicker in den Dörfern) – und so sah es dann auch im Spiel aus. Zwanzig Ballberührungen, ohne dass ein Gegner den Fuß dazwischen bekam und immer wieder klare Chancen. Die Bälle wurde dann auch quasi ins Tor getragen. Es war wie Klitschko gegen Heesters, Meerjungfraumann gegen Plankton, Barca gegen Eintracht. Tore: Anton, Adil, Micki und nochmal Anton.

Halbfinale: RWW – Viktoria Griesheim 0:1
Nach zwei guten Chancen gleich zu Beginn, waren einige Spieler nicht ganz konzentriert, erlaubten durch leichte Ballverluste den vorcheckenden Griesheimern gleich drei Möglichkeiten, von denen diese dann auch eine dankbar annahmen. Danach berannten die Unsrigen das Griesheimer Tor, ohne aber zu glasklaren Chancen zu kommen, denn die Griesheimer waren in der Defensive sehr laufstark und diszipliniert. Umgekehrt holten wir nicht alles aus unseren Möglichkeiten heraus. Die Gegner wurden nicht konsequent zugestellt. Man erzwang so keine leichten Ballgewinne vor dem Griesheimer Tor und stand sich offensiv manchmal auch selbst ein bisschen im Weg. Aber so ist das im Fußball. Entscheidend ist auf dem Platz und Griesheim gewann das Spiel daher nicht unverdient.

Unglücklicher war da schon die Niederlage von Auerbach gegen Urberach. Die Auerbacher haben eine völlig andere Fußballphilosophie als Mutsi Oral und auch diese erwies sich im Prinzip als erfolgreich – schließlich hatten sie bis dahin alle Spiele deutlich gewonnen. Die Auerbacher hatten die körperlich deutlich stärksten Spieler, entsprangen einer anderen Gewichtsklasse. Jeder Ball wurde kompromisslos nach vorne gebolzt, völlig unabhängig davon, wo die eigenen Mitspieler sich gerade befanden. Vorne wurde der Zweikampf gesucht, Pressballduelle gewonnen und sofort aufs Tor geknallt. Von Zusammenspiel war nicht viel zu sehen. Also Kick-and-rush a la England, Norwegen oder Baden-Würrtemberg.
Das hatte aber gereicht, um gegen die Urberacher gleich in Führung zu gehen. Urberach fand offensiv überhaupt nicht statt. Nach zehn Minuten kam dann doch ein Ball bei „Gekas“ (besagtem Urberacher Stürmerstar, s.o.) an, der dann auch die zwischenzeitliche Torflaute beendete. Dann wieder nur noch Auerbach. In der letzten Minute dann ein Freistoß für Urberach von der Mittellinie, der tsavellasmäßig in den Strafraum geschlagen wurde. Dort wurde er irgendwie abgefälscht und landete im Tor. Das waren wirklich die beiden einzigen Bälle gewesen, die aufs Auerbacher Tor geflogen waren.

Spiel um Platz 3: RWW – Auerbach 3:2
Die Enttäuschung bei den Walldorfer Spielern war sehr groß, entsprechend befreit spielten sie nun auf. Özkan überzeugte durch viel Übersicht im Spielaufbau und ließ die anrennenden Auerbacher Stiere wiederholt torrerogleich ins Leere laufen. Die Auerbacher wurden ausgespielt, wie sie das heute noch nicht erlebt hatten, und Micki konnte zweimal vollstrecken – 2:0. Eigentlich hatten wir alles im Griff. Da wir aber auch in der Abwehr immer die spielerische Lösung suchen, erlaubten wir den Auerbachern allerdings in der eigenen Gefahrenzone in die Zweikämpfe zu kommen, was ihnen dann doch noch den Ausgleich brachte. Ich hatte aber vom Feeling her ein gutes Gefühl, was sich dann auch bewahrheitete, als das 3:2 noch locker herauskombiniert wurde – Torschütze Adil. Schließlich ging in den letzten Jahren ganz, ganz selten nur ein Spiel um den 3. Platz verloren.
Es war in etwa wie das Spiel um Platz 3 bei der letzten Fußball-WM.

Voodoo? Auffällig viele Dreier an der Hallenwand.

Voodoo? Auffällig viele Dreier an der Hallenwand.

Im Endspiel ging es Viktoria Griesheim dann wie zuvor uns im Halbfinale. Gekas erzielte früh das 1:0. Dann kämpften die Urberacher bis zum Umfallen und hatten in der Defensive fast immer alle eigenen Feldspieler hinter dem Ball. Dagegen hatten die Griesheimer kein Konzept. Durch diese geschlossen disziplinierte Leistung war der Sieg für die Urberacher verdient. Fußballtaktiker Oral wusste das zu würdigen. Vom spielerischen Niveau war es aber nicht so, dass Fußballästhet Oral seinen Augen diesen Anblick über die vollen 15 Minuten antun wollte. Noch vor dem Abpfiff ging er nach draußen, um sich am zarten Grün des anheischigen Frühlings zu weiden.

Der Titel für Urberach war letztlich also eher eine Überraschung, sicher auch für sie selbst.
Die Torjägerkanone ging nach Auerbach und die anwesenden Trainer, alle hochqualifizierte Fachleute, wählten unseren Spieler Yannick zum besten Torhüter des Turniers. Wir gratulieren zu dieser verdienten Anerkennung!

Unser Trainer wollte heute bei seinen Spielern sowohl Licht, als auch Schatten gesehen.

Etwas Kritik verdient aus meiner Sicht mal wieder die Religion. Hatte im letzten Punktspiel die christliche Kirche unseren Spieler Ron an der Teilnahme gehindert (was ja auch prompt zu sechs Gegentoren geführt hatte), so konnte der Islam seine Chance nicht nutzen, denn er machte es heute auch nicht besser. Nach dem dritten Gruppenspiel mussten beide Furkane (Furkan1 und Furkan2) in Richtung Moschee abreisen und davon profitierte dann Griesheim im Halbfinale. Den höheren Sinn habe ich jeweils nicht verstanden. Schließlich ging es im ersten Fall nicht gegen Barfuß Jerusalem und im Zweiten nicht gegen Halbmond Mekka. Dann hätte man das ja noch verstehen können! Aber so? Nein, nein, nein: So kann das alles doch nicht gemeint gewesen sein!

Aber schon wieder heisst es, den Blick nach vorne zu richten: Am Mittwoch findet das Pokalhalbfinale in Groß-Gerau statt. Und das wird kein Selbstläufer werden. Ich bitte also den Allmächtigen um die Freigabe aller Spieler und um ein kleines bisschen Daumendrücken, wenn nicht sogar eigentlich Wiedergutmachung angesagt wäre!

Heute aber spielten:
Yannick – Adil (3 Tore), Adrian, Anton (3), Cameron, Deniz (1), Derenik, Furkan1 (bis 3. Gruppenspiel), Furkan2 (bis 3. Gruppenspiel), Micki (4), Özkan.

Kleines Bilderepos

Error: the communication with Picasa Web Albums didn’t go as expected. Here’s what Picasa Web Albums said:




404. That’s an error.

The requested URL /data/feed/api/user/Scheppe66/album/2011_03_20_Georgenhausen?kind=photo was not found on this server. That’s all we know.

Tags: , , , , ,

gelesen: 2497 · heute: 2 · zuletzt am: 23. Oktober 2020

2 Antworten zu “3. Platz beim Bezirkshallenpokal in Georgenhausen”

  1. Fatih Lütfi Dogan 27. Mrz, 2011 am 22:40 #

    Hallo Manfred,
    ich habe deinen Bericht gelesen und bin sehr empört. Ich weiß nicht, ob du ein gläubiger Mensch bist oder nicht. Ehrlich gesagt, interessiert mich dies auch nicht. Ich habe jedoch Respekt, was auch immer du glauben magst. Ich bin ein Fußballfan und ein Interessent vom Umfeld Mörfelden-Walldorfs. Manche Menschen haben höhere Prioritäten als Fußball. Das sollte man auch akzeptieren. Außerdem besteht die Mannschaft aus multikulturellen Spielern. In Anbetracht dieser Fakten muss ein solches Team gegenseitigen Respekt und gegenseitige Akzeptanz zeigen. Fußball ist ein Gemeinschaftssport, worin man in dieser Gemeinschaft Harmonie besitzen sollte. Das kann man nur erreichen, wenn die Werte und Normen der einzelnen Spieler hervorhebt. Ich betone nochmals, dass es dem Menschen selbst obliegt, welche Prioritäten einem höher sind und welche nicht. Ich finde es unhöflich, dass eine Freizeitaktivität mit einer Religion verglichen wird. Ich wünsche für die Zukunft, dass es nicht mehr solche Äußerungen im Bezug auf die Religion gibt. Außerdem möchte ich hinzufügen, dass euer Verein viele religiöse Mitglieder hat. Trotz diesem Vorfall wünsche ich Ihnen und ihrer Mannschaft ein erfolgreiches und sportliches Jahr.

    Mit freundlichen Grüßen

    Fatih Lütfi Dogan

  2. Manfred C. 28. Mrz, 2011 am 22:21 #

    Lieber Fatih,

    danke für deine Meinungsäußerung.
    Wenn du dich auf unserer Seite ein wenig umsiehst, wirst du feststellen, dass
    vieles humorvoll gemeint ist und nicht so bierernst zu nehmen ist.
    Selbstverständlich respektiere ich es, wenn Kinder in die Kirche, in die Moschee oder auch auf einen Tennisplatz gehen, statt zum Fußball. Ich bin mit allen – christlichen und muslimischen – Vätern der drei Kinder befreundet. Sie haben mich nicht auf den Textabschnitt angesprochen. Sie kennen mich und wissen, dass ich ihren Glauben respektiere. Sie wissen auch, dass ich gerne mal ein Späßchen mache und sie machen da auch gerne mit, meistens jedenfalls. Gerade die Eltern dieser Mannschaft harmonieren sehr gut. Und die neun Nationalitäten sind da überhaupt kein Hinderungsgrund. Insofern, dass man andere Menschen mit ihrem Glauben respektieren soll, gebe ich dir völlig recht und du brauchst dir da, was uns betrifft, keine Sorgen zu machen. Der Textabschnitt war ein Spaß.
    Allerdings sollten die Gläubigen auch respektieren, wenn jemand nicht gläubig ist, oder wenn er an den Fußballgott glaubt oder an das fliegende Spaghettimonster.
    Du schreibst selbst, dass es dem Menschen selbst obliegt, welche Prioritäten er setzt. Du findest es unhöflich, wenn eine Freizeitaktivität mit einer Religion verglichen wird. Wenn es dem Mensch aber selbst obliegt, dann darf er doch eine Freizeitaktivität für sich selbst wichtiger nehmen als die Religion, oder? Und wenn du wünschst, dass es zukünftig nicht mehr zu solchen Äußerungen über Religion kommt, willst du mir jetzt deine Prioritäten vorschreiben. Damit bin ich nicht einverstanden, weil ich meine Prioritäten eben selbst bestimmen will.
    Wenn du deine Internetseite aufmachst, werde ich dir auch nicht vorschreiben wollen, was du dort schreibst.

    Ich persönlich finde es gut, wenn sich Menschen respektieren und sich füreinander engagieren.
    Das kann auch ohne Religion gehen:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77222593.html

    Im übrigen verweise ich noch einmal darauf, für wen unsere Seite gedacht ist:

    http://www.rww2000.de/meinungen-und-verschiedenes-zu-dieser-seite/

    Grüße

    Manfred

Hinterlassen Sie eine Antwort