3. Freundschaftsspiel D1 2011/2012

Schwere Wolken überm Felde

Drohend mahnen sie zur Eile

Quali-Runde kommt in Bälde

Nutz die Zeit, sonst gibt es Keile!

VfL Fontana Finthen – RWW 5:1 (2:1)

Ganz so ernst wie sonst, sollte man das Gedicht nicht nehmen. Ein Körnchen Wahrheit steckt aber auch hier drin. Wie schnell können sich die jungen Sportler an die neuen Verhältnisse gewöhnen? Alleine die Tatsache, dass man mit acht statt mit sechs Feldspielern spielt und dass nun mit Abseits gespielt wird, führen zu einem völlig anderen Spiel. Andere Raumaufteilung, andere Laufwege. Wie kann man das dem durchschnittlichen Leser dieser Seite begreiflich machen? Vielleicht so: Dein Supermarkt hat angebaut und umgeräumt. Du greifst nach der Buttermilch und hast statt dessen einen Sack Kartoffeln in der Hand. Auch hier braucht es Zeit, bis die Ernährung deiner Familie wieder sichergestellt ist.
Fontana Finthen hat hauptsächlich 99er Spieler und hat im letzten Jahr in der D-Jugend Kreisklasse Mainz-Bingen auf dem Großfeld gespielt. Dies ist die dritthöchste Klasse. Allerdings haben sie dort hauptsächlich gegen 98er-Jahrgänge gespielt und einen Platz in der Spitzengruppe erreicht. Die Spielstärke ist aber nur vage einzuschätzen, weil in Rheinland-Pfalz anscheinend keine Qualifikation zu den Spielklassen durchgeführt wird, sondern man erbt sozusagen die Ligazugehörigkeit vom älteren Jahrgang. Das ist besonders dann von Nachteil, wenn der nächste Jahrgang viel stärker oder schwächer ist als der Vorhergehende. In Frankfurt hat dies kürzlich dazu beigetragen, dass der sehr starke 2000er Jahrgang des SC Goldstein komplett den Verein verlassen hat, um nicht ein ganzes Jahr gegen hoffnungslos unterlegene Gegner spielen zu müssen.
Was muss man wissen, um den heutigen Vergleich einordnen zu können? Bereits in der Jungsteinzeit, um 4500 v. Chr., wurde die Finthener Gemarkung besiedelt. Kaiser Augustus schuf dann 13 n. Chr. endlich eine gut ausgebaute Straße nach Bingen. Damals vermuteten nur wenige, dass es immerhin bis zum 21.1.1928 dauern sollte, bis der VfL Fontana Finthen gegründet wurde. Es war ein recht milder Wintertag, der jedoch stark bewölkt gewesen sein soll. Karlsruhe meldete eine Tiefsttemperatur von 7,5 Grad C. Damit war der Grundstein dafür gelegt, dass die 99er Fontanen in den Sommerferien durchtrainieren konnten und so zu einer beachtlichen Frühform kommen konnten.
Beim heutigen Testspiel wurde von Strafraum zu Strafraum des Großfeldes gespielt und mit den Großfeldseitenlinien, so dass der Platz einigermaßen groß war. Für unsere Heimspiele halte ich das auch für empfehlenswert, falls das die Platzauslastung zulässt.
In der ersten 15 Minuten entwickelte sich ein munteres Spiel. Richtige Torchancen waren auf beiden Seiten Fehlanzeige. Erst ein Stockfehler unserer Abwehr ermöglichte Finthen einen Konter, den sie zum 1:0 verwandeln konnten. Unsere Jungs ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und machten damit weiter, sich besser ins Spiel einzufinden. Eine sehr schöne Kombination über Adrian, Furkan1 und Adil (Herr Duran: „Ich hätte gleich geschossen.“) führte kurz darauf zum Ausgleich. Mit dem Halbzeitpfiff ging Finthen mit einem direkt verwandelten Freistoß (Herr Kasimir: „War nie und nimmer ein Foul.“) erneut in Führung.

Wo steht die Mannschat im Moment: EInfache Formeldarstellung (Quelle: MOFE)

Wo steht die Mannschat im Moment: EInfache Formeldarstellung (Quelle: MOFE)

Bei den Finthenern wirkten übrigens auch zwei Mädchen mit. Als Herr Kasimir seinem Sprössling scherzhaft etwas zurief wie „Geh ran, das ist nur ein Mädchen!“, wurde er von Finthener Seite darüber aufgeklärt, dass es sich bei den beiden Damen der Jahrgänge 99 und 2000 um „Süd-West-Auswahlspielerinnen“ handelt. Und wirklich: Sie hielten gegen die gleichaltrigen Jungs ohne weiteres mit – Chapeau! In der ersten Hälfte des 2. Spielabschnittes nutzte dann Finthen die Schwachstellen in unserem Defensivspiel gut aus und ging mit 5:1 in Führung – darunter war ein sehenswerter Fallrückzieher nach einem Eckball zu bestaunen. Allerdings sollte man bei einer Ecke dem Gegner nicht so viel Platz zugestehen, dass er eine solche Übung ausführen kann.
Anders als noch in Darmstadt war unser Offensivspiel aber durchaus vorhanden und in der letzten Viertelstunde hatten wir einige gute Möglichkeiten. Finthen hat bei Heimspielen in der letzten Saison auch nie mehr als einen Gegentreffer hinnehmen müssen und war hier über das gesamte Spiel gesehen auch sortierter. Trotzdem begannen unsere Jungs, Pässe in die Schnittstellen zu spielen. Die Bälle waren aber auf dem schnellen – schon etwas abgenutzten – Kunstrasengeläuf recht schwer zu spielen und gerieten des öfteren nur ein wenig zu schnell. Eine gute Chance wurde wohl zu Unrecht wegen Abseits abgepfiffen, wie auch die Finthener Betreuer vermuteten. Das ein oder andere Mal wäre bei den Stürmern vielleicht auch wirklich ein wenig mehr Duransche Entschlossenheit angebracht gewesen, um z. B. in eine Lücke zu stoßen und den Abschluss zu suchen.

Insgesamt habe ich das Spiel ausgeglichener gesehen, als es das Ergebnis vermuten lässt. Unsere Quali-Gegner erwarte ich in etwa so stark wie den heutigen Gegner. Drei Wochen bleiben also, um sich weiter mit den Verhältnissen anzufreunden, die Abwehrlöcher zu stopfen und den Weg zum Tor zu finden. Wir dürfen gespannt sein. Ich traue das unseren Spielern jedenfalls zu.

Heute aber spielten:
Yannick1 – Adil (1 Tor), Adrian, Anton, Cameron, Can, Deniz, Furkan1, Lorenz, Özkan, Yannick2.

Und ein paar Fotos pack ich auch noch dazu und einen Eimer Aal.

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gelesen: 2531 · heute: 2 · zuletzt am: 31. Juli 2021

1 Antwort zu “3. Freundschaftsspiel D1 2011/2012”

  1. Betreuergattin 11. Aug, 2011 am 19:32 #

    Wie immer ein toller Bericht.
    Der Irrsinn schlägt bei Herrn Kasimir zu, wie man unschwer an der mathematischen Herleitung erkennen kann, aber: wundern tut man sich darüber schon lange nicht mehr, oder?

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