Böse Falle in der Halle

Zugig kühl ist`s in der Halle

Ob so manchem Schiripfiff

Bleiben leider ruhig nicht alle

Unsre Jungs ham sich im Griff

 

Platz 6 beim Turnier in Groß-Gerau

Es gibt Tage, da frisst du den Bären und es gibt Tage, da verspeist der Bär dich. Habe ich gestern noch den FSV-Trainer mit einem HB-Männchen verglichen, so würde dieser Vergleich in Bezug auf meine Person heute als glatte Untertreibung daherkommen.

Doch immer der Reihe nach:
Wir waren anscheinend kurzfristig für eine andere Mannschaft eingesprungen. Es wurde in zwei Fünfergruppen gespielt. Kein Halbfinale. Sofort Platzierungsspiele. Spielzeit je 10 Minuten, große Tore, keine Bande, Filzmantelball. Qualitativ starkes Teilnehmerfeld.

1. Gruppenspiel: RWW – SG Rosenhöhe 99er 0:4
Beim gestrigen Turnier hatten wir die 2000er von der Rosenhöhe noch geschlagen. Heute warteten die 99er. In den ersten 5 Minuten waren wir etwas besser, hatten zwei klare Chancen, die aber nicht genutzt werden konnten. Als dann ein Ball nicht sicher geklärt wurde, geriet unser Team mit 0:1 in Rückstand.
Dann begannen sich die Schiedsrichter in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu spielen. Trainer Oral wechselte aus. Er hielt den Spieler, den er einwechseln wollte fest, bis der auszuwechselnde Spieler draußen war, weil er sich ganz auf das regelgerechte Einwechseln konzentriert habe. Da schwört er Stein und Bein, dass es so war und so haben es auch alle gesehen, die sich dazu geäußert haben – und das waren Einige. Nur der unmittelbar daneben stehende Linienrichter hatte es anders gesehen und winkte daraufhin den Schiedsrichter herbei und ließ diesen eine 2-Minuten-Strafe aussprechen, weil der eingewechselte Spieler schon im Feld gewesen sei, bevor der Kollege ganz draußen war.
Rosenhöhe nutzte die Überzahl zum 2:0. Nach der Regel hätte der Schiedsrichter dann sofort anzeigen müssen, dass Walldorf aufgrund des Tores wieder ergänzen darf (wie beim Eishockey). Das tat er aber erst nach ausdauerndem Hereinrufen. Da wurden unsere Stimmbänder ein bisschen warmgemacht.
Danach wurde das Spiel von unserer Seite abgeschenkt und Rosenhöhe durfte noch zwei Tore schießen.
Geärgert hatte uns hier keineswegs die Niederlage. Man fühlte sich aber mehrheitlich so, als sei man mit Vorsatz bestraft worden, statt eine zufällige und unvermeidliche Fehlentscheidung erlebt zu haben, wie sie in beinahe jedem Spiel vorkommt. Hinzu kam, dass einige grobe Foulspiele ungeahndet geblieben waren.
Sogar der stets besonnene Herr Kasimir suchte nach dem Spiel das Gespräch mit dem Schiedsrichter. Er hatte auch in unmittelbarer Nähe des Auswechselgeschehens gestanden und war wegen der Zeitstrafe ziemlich verärgert. Und sein Befinden hatte sich nach der Unterredung mit dem „Unparteiischen“ nicht gebessert. Er habe sich abgekanzelt gefühlt. Der Herr habe darauf bestanden, dass der auszuwechselnde Spieler noch „einen Meter“ im Feld gewesen sei. Dass er rannte, mit dem Rücken zum Spielgeschehen war und für alle erkennbar am Spiel nicht mehr teilnahm, spielte für ihn keine Rolle. Das mag sogar eine buchstabengetreue Regelauslegung sein. Doch auch wenn es so gewesen wäre, wirkte es so, als habe hier jemand darauf gelauert, uns bestrafen zu können.
Wir haben in der Folge natürlich besonders darauf geachtet, wie andere Mannschaften auswechselten. In etwa 70% der Fälle waren die Wechselspieler für Sekundenbruchteile gleichzeitig auf dem Feld, einige Male gab es sogar deutlich längere Überschneidungszeiten. Eine Zeitstrafe gab es jedoch nur noch ein einziges Mal – als gleich acht Spieler gleichzeitig auf dem Feld waren.

2. Gruppenspiel: RWW – 1. FC TSG Königstein 2:2
Auch Königstein hat eine starke Mannschaft. Nach der 1:0-Führung durch Adil erzielte die TSG postwendend den Ausgleich. Wenig später gerieten wir sogar in den Rückstand und hatten dann Glück, dass die Freunde aus dem Taunus bei einigen aussichtsreichen Kontern nicht höher in Führung gingen.
Gegen Ende der Partie bekam unser Team wieder Übergewicht. Adil glich aus und Sekunden vor Schuss verfehlte Furkan1 mit einer schönen Direktabnahme den Sieg nur knapp, der dann allerdings auch ein bisschen glücklich gewesen wäre.
Ärgerlich waren wiederum die Schiedsrichterleistungen. Überhartes Einsteigen und Hereinrauschen in unseren Torwart wurden durchgewunken. War ein Einroller aber um ein paar Zentimeter zu hoch angesetzt, wurde zurückgepfiffen.Als der Ball beim Stande von 2:1 für die TSG für längere Zeit in die angrenzende Aufwärmhalle gerollt war, wurde die Zeit – anders als sonst – nicht angehalten.
Die Leistung der Mannschaft war besser als im ersten Spiel, erreichte aber noch nicht das Niveau des gestrigen Tages – verständlich, wenn die Müdigkeit noch ein bisschen in den Knochen gesteckt haben sollte.

In der Pause plauschte ich ein wenig mit unserem Trainer und das Gespräch nahm die Gestalt einer Endlosschleife an – nach Muster: „Wohin gehst du?“ „Ins Kino.“ „Was gibt es?“ „Quo vadis.“ „Was heisst das?“ „Wohin gehst du?“ „Ins Kino.“ „Was gibt es?“ usw.
„Also die Schirileistung …“ „Das bringt nichts, sich damit zu beschäftigen …“ „Aber Ärgern darf man sich doch schon mal …“ „Tja, aber dass der Schiri dann auch noch … haben wir dem irgendwann etwas getan?“ „Das bringt nichts …“ „Aber Ärgern darf man sich doch schon mal …“ usw.

Durch das Unentschieden war unterdessen die Chance auf den Gruppensieg nur noch theoretischer Natur.

3. Gruppenspiel: RWW – SV Viktoria Klein-Zimmern 4:1
Klein-Zimmer war den anderen Mannschaften in unserer Gruppe deutlich unterlegen. Die Tore schossen Adil, Deniz, Furkan1 und Anton.

Vor dem letzten Spiel konnten wir nur noch Platz 2 erreichen, wenn wir höher gegen RW Darmstadt gewinnen würden, als Königstein danach gegen Klein-Zimmern. RW Darmstadt hatte dagegen gegen die SG Rosenhöhe 2:0 gewonnen und hätte mit einem 5:0-Sieg noch an den Offenbachern vorbeiziehen und Gruppensieger werden können.

4. Gruppenspiel: RWW – RW Darmstadt 5:0
Unsere Mannschaft zeigte ihre beste Turnierleistung, während die Darmstädter überhaupt nicht zum Zug kamen. Und sie ließ sich auch von wiederum merkwürdigen Schiedsrichterpfiffen nicht aus der Ruhe bringen. Nachdem ein Darmstädter den Ball in unsere Hälfte gespielt hatte, verließ unser TW den Strafraum, um einem Darmstädter zuvorzukommen und spielte den Ball mit der ersten Berührung einem Mitspieler zu.
Die Hallenregel besagt, dass der Torwart nur zum Zweck der Abwehr den Strafraum verlassen darf, er aber nicht per Anspiel außerhalb des eigenen Strafraumes ins Spiel einbezogen werden darf. Anders als in vergleichbaren Situationen in anderen Spielen, gaben die Schiris in dieser Situation Freistoß für Darmstadt. Was aber hätte unser Torwart anderes tun sollen? Den Ball ins Aus bolzen?
Kurios war anschließend, dass sie einen Vorteil für Walldorf – noch in der eigenen Hälfte – laufen ließen, infolge dessen Deniz ein Tor schoss. Da pfiff der Schiri den Freistoß für Walldorf und bedeutete damit, dass eine bis dato unbekannte Nachteilsregel in Anwendung gebracht wurde. Unser bis dahin bewundernswert ruhiger Trainer klatschte daraufhin ironisch Beifall. Da baute sich der Schiri – wie von der Tarantel gestochen – vor ihm auf und schickte ihn mit großer Geste auf die Tribüne.
Wir haben dann zwei drei Mal – da auch in den anderen Partien Foulspiele häufig nicht gepfiffen wurden – für die obligatorischen Falsche-Einroll-Pfiffe Beifall geklatscht. Es kann sein, dass man hier anfing, einige landesweit übliche Vokabeln in Richtung der Pfeifenmänner zu rufen. Vielleicht war´s aber auch erst im letzten Spiel. Bedauerlich war das in jedem Fall, wenn auch menschlich verständlich.
Um so höher zu bewerten war, dass unsere Mannschaft völlig cool blieb und einen blitzsauberen Sieg herauskombinierte. Tore: Deniz, Furkan1 (Volley), Deniz, Can und Ron.

Damit blieb ein Fünkchen Hoffnung auf Platz 2. Wie es aber häufig so ist, lassen gerade schwächere Mannschaften gegen Ende einer solchen Veranstaltung besonders nach. Dabei hatte Klein-Zimmern gut begonnen und sogar zwei exzellente Möglichkeit erspielt, sie dann allerdings versiebt. Nach 5 Minuten erzielte Königstein das 2:0, woraufhin Klein-Zimmern den Betrieb einstellte und weitere 5 Treffer ermöglichte.

Damit war es leider noch nicht vorbei.

Spiel um Platz 5: RWW – SG Oberliederbach 3:3 ; 2:5 im Neunmeterschießen
Herr Oral hatte auf der Trainerbank Platz genommen, da kam der Schiri nach kurzer Abstimmung mit seinem Kollegen schon wieder und vermittelte ihm rein pantomimisch und äußerst nachdrücklich, dass der Verweis aus dem letzten Gruppenspiel noch immer gültig sein sollte. Dabei ist Herr Oral der deutschen Sprache durchaus mächtig und schätzt ein freundliches oder wenigstens erklärendes Wort.
Auf dem Platz ging es dann ein bisschen wild zu – die Konzentration ließ auch bei unseren Spielern nach. Dreimal ging Oberliederbach in Führung, dreimal glich Walldorf aus. Zünglein an der Waage war der Mann in schwarz. Einen Freistoß für Oberliederbach verlegte er einige Meter weg vom Geschehen an die zentrale Sechsmeterraumkante. Eine massive absichtliche Behinderung unseres Torwarts ignorierte er und pfiff das dadurch zustande gekommene Tor. Auf der anderen Seite erlaubte er einem Oberliederbacher Feldspieler in Torwartmanier einen Walldorfer Torschuss auf der Linie mit der Hand zu parieren. Er nahm die Pfeife zwar in den Mund, war in seiner anscheinenden Antipathie aber wohl völlig gefestigt und pfiff nicht.

Transparenz: das wäre bei den heutigen Schiedsrichtern für den Trainer hilfreich gewesen

Transparenz: das wäre bei den heutigen Schiedsrichtern für den Trainer hilfreich gewesen

Trotzdem hätte man hier auf das Hereinrufen von mindestens einem Phantasietiernamen verzichten sollen, – vor allem weil das den Kindern ein äußerst schlechtes Beispiel war. Und schließlich ist ja auch ein Schiedsrichter irgendwo noch ein Mensch, der Respekt verdient, egal welchen Unsinn er auf dem Feld auch verzapft. Ich werde also zukünftig wieder gar nichts sagen, oder die Gepflogenheit des freundlichen Gesprächs nach Schlusspfiff wieder aufleben lassen oder – wenn ich partout kein Magengeschwür bekommen will – leise und im vertrauten Kreis schimpfen.
Ich habe bei unseren Groß-Gerauer Gastgebern auch um Entschuldigung für das Rufen gebeten. Die waren aber absolut verständnisvoll. Schon zuvor waren sie aus freien Stücken wiederholt zu uns gekommen, um ihr Unverständnis über die Schiedsrichterentscheidungen gegen uns auszudrücken, die sie genauso gesehen und bewertet hatten wie wir und da haben wir uns wenigstens von Seiten der Groß-Gerauer willkommen gefühlt. Beim E-Jugend-Turnier am Vormittag habe ein einzelner Schiedsrichter das ganze Turnier alleine bestritten und eine tadellose Leistung abgeliefert, berichtete man uns etwas wehmütig.
Bei der Siegerehrung ließ die Turnierleitung dann auch den sonst üblichen Dank an die Schiedsrichter aus.

Aber wie dem auch sei: Ich werde jetzt ein bisschen Gandhi lesen, die griechischen Stoiker studieren, im Neuen Testament blättern und eine buddhistische Achtsamkeitshaltung einüben, um schon mal gewappnet zu sein, wenn wir in der Gruppenliga wieder mal gegen einen der heutigen Schiedsrichter antreten müssen.
Dann wäre ich auch wieder bei den Gewinnern, um den Gedanken von gestern mal aufzugreifen. Heute bin ich jedenfalls vom Bären gefressen worden.

Herr Royo hat die Kurve übrigens schneller gekriegt und das richtige Beispiel geliefert. Im Endspiel, das die SG Rosenhöhe gegen Biebrich 02 gewann, klatschte er den Schiedsrichtern Beifall, als sie zwei oder drei Foulspiele gut erkannten. Danke, Dong!
Und nochmal großes Lob an unsere Mannschaft: Wenn ihr unter diesen Bedingungen ruhig bleiben könnt und ohne Feldverweis durch so eine Feuerprobe kommt, seid ihr auch hier auf dem richtigen Weg. Ich hoffe, der Bär hat geschmeckt, denn da sind wirklich nur noch Fell und Knochen übrig geblieben.

Das Neunmeterschießen wurde unnötigerweise bis zum letzten Schützen fortgeführt.
Die Gelegenheit für eine Zäsur wurde genutzt. Dass die Endspielserie kürzlich riss, hatte ich berichtet. Auch was Strafstoßentscheide betrifft, hatten wir eine Serie: Mindestens neun Duelle wurden zuletzt in Serie gewonnen. Bei Gelegenheit zähle ich mal nach, ob es vielleicht sogar mehr waren.

Und nun ist finito, denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne. So oder so ähnlich hat das irgendein Dichter gesagt.

Heute aber spielten:
Yannick1 – Adil (4 Tore), Anton (1), Cameron (1), Can (3), Deniz (3), Furkan1 (2), Okan.

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gelesen: 1419 · heute: 4 · zuletzt am: 13. November 2019

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