Würden Sie den Fußballgott gerecht nennen?

„Was wäre der Fußballsport ohne grenzenlose Enttäuschung?“
(Hans Meyer, 2012)

Pokalhalbfinale: SKG Erfelden – RWW 4:3 (0:1,1:1,2:2) n.N.

Bei der Anreise ahnten wir nicht, dass heute ein Drama stattfinden würde. Hätte man eigentlich ahnen können, denn das Spiel würde – ganz wie in der griechischen Tragödie üblich – von einem Chor in Gestalt einer Gruppe von Kerweborsche begleitet. Da war auch für das ein oder andere Erfelder Ohr fremdschämen angesagt. Es war aber jederzeit im Rahmen arttypischen Kerweborschverhaltens. Und so etwas mag man dann halt oder halt auch nicht. Dümmer war da schon, dass Tragödien nicht gut ausgehen. Sonst wären es ja auch keine Tragödien.

Bei angenehmem Sonnenschein ging es in die 1. Halbzeit. Unsere Mannschaft musste gegen die tiefstehende Sonne spielen, was schon ein echter Nachteil war. Anfangs hatten unsere 2000er etwas Probleme ins Spiel zu finden. Erfelden kam einige Male vor unser Tor und hatte bei einem Lattenkopfball Pech. Mit zunehmender Spieldauer bekam Walldorf das Spiel in den Griff. Der Kombinationsfußball war jedoch durch den sehr holprigen Platz erschwert. Immer wieder sprangen Bälle hoch ab. Dies spielte eher der SKG in die Karten. Als nach einem Pfostenknaller von Deniz die Walldorfer Führung in der Luft lag, setzte sich Erfeldens sehr schneller Linkaußen bei einem Konter durch, fand dann seinen Mitspieler in der Mitte, der das 1:0 für Erfelden erzielen konnte. Allgemeiner Tenor in unserem Lager war, dass ein Unentschieden eher dem Chancenverhältnis entsprochen hätte.

Nur mal zur Verdeutlichung: Distanz aus Sicht der Strafstoßschützen!

Nur mal zur Verdeutlichung: Distanz aus Sicht der Strafstoßschützen!

In der 2. Hälfte spielte dann nur noch Rot-Weiß. Die zumeist 1 Jahr älteren Erfelder machten mit sechs Spielern die Abwehr dicht und verteidigten den Vorsprung. Mit langen Bällen versuchten sie, ihre starken Stürmer zu bedienen. Ron, Malte, Yannick2 oder wer auch immer hinten verteidigte, gewannen jedoch regelmäßig die Bälle, so dass Erfleden nur noch bei zwei oder drei Freistößen auf das Tor schießen konnte. Auf der anderen Seite belagerte RWW zwar den Erfelder Strafraum, gegen das Bollwerk dort sprangen jedoch nur wenige klare Tormöglichkeiten heraus. Die Schüsse aus der zweiten Reihe waren entweder zu harmlos oder verfehlten das Ziel.

Zwei Minuten vor dem Abpfiff – eigentlich hatten wir nicht mehr richtig damit gerechnet – setzte sich Miki schön über die linke Seite im Strafraum durch und konnte nur durch ein Foul gebremst werden. Deniz verwandelte den Strafstoß sicher.
1:1. zweimal 5 Minuten Verlängerung.

In der Verlängerung war Erfelden teilweise stehend k.o. Der Druck auf ihr Tor nahm zu und drei Minuten vor dem Abpfiff markierte Deniz mit einem wunderschönen Weitschuss den vermeintlichen Siegtreffer, denn Erfelden war nun überhaupt nicht mehr in Tornähe gekommen. Am Ende war es – bei wem auch immer – fehlende Cleverness, dass die Abwehr nicht dicht hielt und Erfelden aus dem Nichts einen Freischuss zum 2:2 bekam.

Neunmeterschießen. Den ersten – sehr festen und platzierten Schuss der Erfelder – parierte Yannick1 überragend. Er hielt auch einen weiteren. Er hätte aber auch den dritten, ebenfalls sehr fest und platzierten Ball halten müssen, den er sogar noch erreichen konnte. Dass ein weiterer Erfelder Ball am Pfosten landete reichte nämlich nicht. Denn auf unserer Seite verwandelte nur Enes. Allen anderen – sonst sehr sicheren Schützen – spielten unerklärlicherweise die Nerven einen Streich.
Und so bleibt nur, den Erfeldern für das Erreichen des Finales zu gratulieren.

Herr Oral zeigte sich sehr zufrieden mit dem Spiel, lobte seine Mannschaft und war der Einzige, der sich die Enttäuschung nicht anmerken lassen wollte. Fast erinnerte er mich an Dragoslaw Stepanovic unmittelbar nach der verlorenen Meisterschaft der Eintracht in Rostock. Wir alle erinnern uns: Alfons Berg aus Konz stand daneben und pfiff den klarsten Strafstoß aller Zeiten nicht. Ralf Weber war etwa sechs Meter vor dem Tor von hinten umgesäbelt worden. Und was sagte Stepanovic? „Und dann hädde mär vielleicht verschosse, und dann? Lebbe geht weider.“

Heute in Erfelden lag es übrigens nicht am Schiri, der eine recht gute Leistung ablieferte.

Und was fragte in der letzten 11Freunde-Ausgabe Herr Gieselmann den Eingangs erwähnten Hans Meyer?
Er fragte: „Gehen wir davon aus, dass es doch einen Fußballgott gibt. Würden Sie ihn gerecht nennen?“
Hans Meyer: „… Irgendwann gewinnt man auch wieder. Das ist das Tröstliche am Fußball, selbst in den finstersten Stunden. Und es funktioniert auch ohne eine höhere Instanz wie Ihren komischen Fußballgott. Probieren Sie es ruhig mal aus!“

Ob mit oder ohne Fußballgott: Herr Reichart war begeistert vom guten und spannenden Spiel, fand es aber ungerecht, dass die Mannschaft nicht belohnt wurde, die das weitaus bessere Spiel abgeliefert hatte.

Heute lieferten ab:
Yannick1 – Adil, Anton, Cameron, Can, Deniz (2 Tore), Enes, Furkan1, Furkan2, Malte, Micki, Okan, Yannick2.
Error: the communication with Picasa Web Albums didn’t go as expected. Here’s what Picasa Web Albums said:





Error 404 (Not Found)!!1

404. That’s an error.

The requested URL /data/feed/api/user/Scheppe66/album/2012_03_21_Erfelden?kind=photo was not found on this server. That’s all we know.

Tags:

gelesen: 2717 · heute: 2 · zuletzt am: 23. Januar 2021

1 Antwort zu “Würden Sie den Fußballgott gerecht nennen?”

  1. Reinhard 22. Mrz, 2012 am 22:59 #

    Kopf hoch Jungs. Ihr spielt eine Supersaison.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Sie müssen angemeldet sein um einen Kommentar zu schreiben.