Zungenschnalz in der Kurpfalz (jetzt mit Abschlussfeierfotos!)

Sitzen auf des Deiches Kamm

Wind pfeift um die Ohren

Unten wächst ein Team zusamm´

Spielt wie neu geboren

Bunter Haufen findet zusammen und schrammt nur knapp am Turniersieg vorbei

Herr Kämpfner hatte – berauscht von zwei starken Auftritten seiner D2 – kurzfristig um Vertretung beim Turnier in St. Illgen gebeten. Es ist ja psychologisch immer besser, etwas – also z. B. eine Fußballsaison – mit einem positiven Erlebnis zu beenden. Bekommt man z.B. beim Zahnarzt drei Tage lang auf den Nerven herum gebohrt und wird man von ihm anschließend intensiv für Tapferkeit gelobt, bleibt das Ganze positiver im Gedächtnis haften, als ein nur 10-minütiges Bohren ohne anschließendes Lob. Um nur mal ein Beispiel zu konstruieren. Aber im Prinzip ist das tatsächlich so. Also eine Entscheidung auf Nummer sicher von Herrn Kämpfner. So kann er sich gut erholen und in der neuen Saison gestärkt angreifen.

Ein anderes Phänomen ist es, dass man Situationen stark nach der gerade vorherrschenden Grundstimmung bewertet. Hat man z. B. ein oder zwei gute Witze gehört, findet man die nächsten schon allein deswegen überragend komisch, weil die ersten quasi noch nachwirken. Bei uns hartgesottenen Fans war diese Phänomen heute gut zu beobachten – allerdings in Richtung Schlecht finden und hier war ich ausnahmsweise mal nicht in der ersten Reihe der Mäkler und Nörgler. Los gings schon bei der Abfahrt. Keine gescheiten Informationen über das Turnier im Internet. Und wohin sollen wir überhaupt fahren? Ein Turnierplan ohne Adresse! Gibt’s denn sowas! Im Internet findet man schließlich als Vereinsadresse Waldstadion in Leimen – der Boris-Becker-Stadt. Und was sagt uns der Turnierplan noch? Unser erstes Spiel soll um 12:00 Uhr stattfinden. Das daran anschließende Spiel soll dann um 11:45 Uhr angepfiffen werden. Völlig willkürlich sind hier Uhrzeiten über das Blatt gestreut. Und das nur 5 km von Walldorf, dem SAP-Walldorf!, entfernt. Ist die allgemeine Krise schon so weit vorgedrungen!
Die Sportanlage ist dann aber schon besonders: Zwei Rasenplätze von Deichen umgeben, wie man sie von der Nordsee her kennt. Dazwischen eine Art Leuchtturm mit Rundumblick auf beide Plätze. Das ist nun allerdings der ideale Ort für die Turnierleitung. „Ja, stimmt – der Plan sieht fehlerhaft aus. Warte mal fünf Minuten, dann kann ich vielleicht sagen, wann euer 1. Spiel ist.“ ….lalala… „Um 11.45 Uhr ist das erste Spiel.“ Ja, o.k. – da müssen wir uns jetzt beeilen. Laut Plan ist das Spiel auf Platz 2, laut Ansage auf Platz 4 – d.h. da, wo Platz 6 am Tor steht. Ja, da kann man sich ärgern. Besonders nachdem man festgestellt hat, dass man die Verpflegungstasche selbst tragen muss – die Tasche, an der die Henkel abgerissen sind! Und der Rasen ist auch schlecht gemäht!

Unser Kader war am heutigen Tag stark ausgedünnt: Adil frisch operiert (gute Genesung!), auch Micki an Krücken (soll aber nichts Schlimmes sein), Deniz schon Eintrachtler, Enes, Okan und Can als Schiedsrichter im Einsatz und Malte anderweitig sportlich im Einsatz. Da mussten wir, ähnlich wie zuletzt in Heusenstamm, improvisieren. Lorenz, Özkan, Mehmet und Johannes sprangen kurzfristig ein und man durfte gespannt sein, ob das passen würde.

Wir spielten zunächst in einer Vierergruppe, Spielzeit je 13 Minuten. Die beiden Gruppenersten sollten das Viertelfinale erreichen.

1. Gruppenspiel: RWW – SSV Mannheim Vogelstang 0:0
Herr Kasimir erinnerte sich richtig. Der Gegner hatte vor einigen Jahren mal ein Hallenturnier bei uns gewonnen. Unsere Mannschaft musste sich finden. Dann hatte man zwei klare Einschussmöglichkeiten, zielte aber frei stehend vorbei. Der Gegner kam wiederholt über unsere rechte Abwehrseite zu Torschüssen. Die Winkel waren aber jeweils spitz und es hätte etwas mehr Zielwasser bedurft, um ein Tor erzielen zu können. Nach dem Spiel nahm der Schiedsrichter noch einen unserer Spieler heftig ins Gebet. Ich fragte den Schiedsrichter nach dem Grund. Dieser antwortete, dass der Spieler mit einer Handspielentscheidung nicht einverstanden gewesen sei. Was er denn genau gesagt hat, wollte ich wissen. Er sei nicht einverstanden gewesen, wiederholte der Schiedsrichter. Nun ja, sagte ich, für mich sah es auch so aus, als sei der Ball an die Hand gesprungen. Da schimpfte dann der Schiri drauf los. Was er genau gesagt hat, habe ich nicht verstanden. Er schien mit meiner Äußerung aber nicht einverstanden gewesen zu sein.

Bei der Abfahrt war es noch ziemlich heiß gewesen. Nun wehte auch noch ein Nordseemäßiger Wind. Ich hätte etwas Wärmeres zum Anziehen mitbringen sollen. Komisches Wetter. Eigentlich war es überhaupt nichts, was man Wetter nennen kann.

2. Gruppenspiel: RWW – VfB Leimen 1:0
Der Findungsprozess der Mannschaft war noch im Gang. Der Gegner war nicht übel. Trotzdem hatten wir ein Übergewicht, aber der Ball wollte nicht ans Tor. Kurz vor Spielende dann ein kapitaler Fehlpass. Ein Leimener kann alleine auf unser Tor laufen. Er schießt trocken und hart, Yannick1 hat den Winkel verkürzt und fliegt, der Ball aber auch und an ihm vorbei in Richtung linker Innenpfosten. Herr Pohland und ich müssen angestrengt hinkucken, um die Flugbahn etwas nach außen zu verbiegen, was gerade so gelingt – Ball im Toraus. Im Gegenzug steckt Anton den Ball auf Mehmet. Und endlich das erste Tor.

Herr Pohland ist von dieser Anstrengung müde und hungrig geworden. Da zeigte sich wieder mal, dass er die richtige Frau geheiratet dann, denn diese hatte ihm vorsorglich einen einwandfrei belegten Bagel mitgegeben.

3. Gruppenspiel: RWW – FC Sandhausen 0:0
Dies war der schwächste Gruppengegner. Aber der Ball wollte schon wieder nicht ins Tor. Der Gegner kam kaum zu eigenen Angriffen. Kurz vor Spielende schickte der Schiri Yannick2 für 2 Minuten vom Feld. Beim vermeintlichen Foul hätte aber auch ein Blinder erkannt, dass es sich um einen Presschlag gehandelt hat, denn er hätte es deutlich gehört.

In allen Spielen unserer Gruppe war insgesamt nur ein Tor gefallen, so dass wir Gruppensieger wurden. Leimen war nach unserem Eindruck der beste Gruppengegner gewesen und musste die Heimreise antreten, die sich dann aber immerhin als kurz herausstellte. Auch Italien hatte sich 1970 mit 1:0 Toren ins Viertelfinale geschlichen. Ein gutes Omen für deren heutiges EM-Viertelfinale?

Nordseewetter macht hungrig. Ostseedauergast Kasimir ist ein solches Reizklima nicht gewohnt und erstand in emotionaler Schieflage ein Wurstbrötchen, ohne vorher genau erwogen zu haben, ob der Kauf ein lohnendes Geschäft sein würde. Das war ein Fehler gewesen. Ein durchgeschnittenes Milchbrötchen mit einer undefinierbaren Scheibe Wurst oder Wurstimitat. Für 1,50 €! Keine Butter, kein Dressing, kein Gürkchen, nichts, wahrscheinlich noch nicht mal richtige Wurst. Und fürs Getränk hätte man ihm gesagt, müsse er sich an der Schlange anstellen. Die lange Schlange, die darauf wartete, dass die Bratwürste fertig werden. Irgendwann hätte er dann mitbekommen, dass er sich für das Getränk gar nicht hätte anstellen müssen. Wind und Hunger machen mürbe und dann lassen sich auch die ausgeschlafensten Jungs in die Irre führen.

Viertelfinale: RWW – FC Badenia St. Illgen 1:0
Die Gastgeber erwiesen sich als der schwächste Gegner am heutigen Tag und wurde durchgängig in der Abwehr beschäftigt. Der Ball mühte sich schon recht ansehnlich durch den tiefen Rasen. Die frei gespielten Torabschlüsse waren aber zu ungenau. Sollte sich der Gegner tatsächlich ins Strafstoßschießen retten können? Nein. Mehmet tankte sich einsatzstark durch den Abwehrriegel und konnte sich den Ball zum 1:0 selbst zurechtlegen.

Halbfinale: RWW – SpVgg Baiertal 2:1
Die Baiertaler spielten sofort ein einsatz- und laufstarkes Pressing. Nach einem Ballgewinn konnten sie auch sogleich mit 1:0 in Führung gehen. Dass sie in diesem Stil fortfuhren, kam uns aber entgegen. Denn nun konnten auch wir mal Kontern und das klappte vorzüglich. Der gut aufgelegte Mehmet erzielte zunächst sein insgesamt drittes Tor. Bei einem weiteren Konter hatte er den Torwart ausgespielt und hätte nur noch in leere Tor schießen brauchen. Wie weiland Ralf Weber wurde er aber von hinten von den Beinen geholt. Der Schiri gab den Alfons Berg und entschied auf Abstoß. Um so verdienter dann der Siegtreffer und sehenswert noch dazu. Mehmet erlief sich einen langen Ball an der Torauslinie, passte zurück vor das Tor, wo Furkan1 den Ball in die Maschen hauen konnte.
Eine wirklich starke Leistung unserer zusammengewürfelten Truppe!

Finale: RWW – SG Heidelberg-Kirchheim 1:2
Das Finale fand dann auf dem Hauptplatz statt. Hier war der Rasen kürzer und der Ball lief schneller. Ehe wir das gemerkt hatten, stand es 0:2. Die Kirchheimer hatte in den ersten 3 Minuten gleich drei 100%-ige Chancen gehabt. Mit dem ersten Angriff fiel das 1:0 durch die Mitte. Unsere Spieler hatten Abseits reklamiert, aber Abseits ist, wenn der Schiri Abseits pfeift. Dann wurde unsere rechte Abwehrseite gleich zweimal überlaufen. Beim ersten Mal parierte Yannick1 reaktionsschnell mit dem Fuß. Beim nächsten Anrollen klingelte es aber. Danach bekam man etwas besseren Zugriff auf das Spiel. Zwei gute Chancen ließen wir aber aus. In der Schlussphase traf Ron mit einem Weitschuss, den der Kirchheimer Keeper wohl piplicamäßig falsch berechnet hatte.
Der Sieg der Kirchheimer ging daher in Ordnung. Mit etwas mehr Konzentration zu Beginn des Spiels hätte man heute aber sogar das Turnier gewinnen können.

Noch ein Turnier, vielleicht?Reicht’s für diese Saison?

Am Abend zuvor war bereits das Saisonende gefeiert worden. In einer dramatischen und tränengefeierten Rede hatte Frau Kasimir unseren langjährigen Kapitän Deniz nebst Managerin und Mutter Cristina verabschiedet. Sie sollen nun der Frankfurter Eintracht helfen, wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen. Und wer die beiden kennt, weiß dass die lahme Scouting-Abteilung der Eintracht nun endlich mal zwei wirklich dicke Fische an der Angel hat. Wir wünschen euch alles Gute und viel Erfolg bei der Frankfurter Eintracht! Möge die Macht mit euch sein!

Aber auch unsere Mannschaft wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit über Neuzugänge freuen dürfen. Da ich aber nicht weiß, ob alles schon in trockenen Tüchern ist, muss ich den Leser hier um noch ein bisschen Geduld bitten.

Weiter machen werden Head-Coach Mutsi mit seinen beiden Assistenten Hüseyin und Ismail. Herr Pohland ist der Organsisationschef für Verpflegung.

Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu. Die sportlichen Leistungen konnten die hohen Erwartungen erfüllen. Man hätte vorher nicht erwartet, dass am Ende nur ein Quäntchen Glück zum Gewinn von Titeln beim 99er Jahrgang gefehlt hatte.
Hessenmeister bei der D-Jugend wurden übrigens die 99er von RW Frankfurt: Die selbe Mannschaft, gegen die in Turnieren ein 5:0-Sieg (Halle) und ein 0:0 (Großfeld) erreicht werden konnten.

Wahrscheinlich wird in der letzten Ferienwoche schon trainiert werden.
Bitte denkt alle daran, in den nächsten Tagen Bescheid zu geben, wann ihr wieder ins Training einsteigen könnt, damit wir die ersten Trainingsspiele an Land ziehen können.

Ihr könnt das als Kommentar direkt unter diesen Artikel schreiben.
Wir werden diese Kommentare nicht veröffentlichen, sondern nur o.k. geben, dass eure Meldung angekommen ist.

Heute aber spielten:
Yannick1 – Anton, Cameron (1Tor), Furkan1 (1), Furkan2, Johannes, Lorenz, Özkan, Mehmet (3), Yannick2.

 

Fotostrecke: Saisonabschlussfeier und Tschüssikowski Deniz und Cristina

 
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gelesen: 1999 · heute: 2 · zuletzt am: 27. November 2020

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