Lehrstunde in prominenter Runde (Jetzt mit Extra-Film! Und wunderschönem Gesang!!!)

Walldorf war nicht groß, Walldorf war eher klein,

doch es behauptete unter den Kleinen eines der Größten zu sein

vorn ging nichts rein, nach hinten tat man nicht beißen

Das zu sehn war ne Pein, Mein Gott, wir Rot-Weißen

(frei nach Mike Krüger)

Aarbergen-Cup 2013

Dass unsere Mannschaft in diesem vorzüglich organisierten prominent besetzten Turnier überhaupt hier antreten durfte war ein großer Erfolg (siehe hier).

Gespielt wurde in vier Fünfergruppen (Rundumbande, große Tore, je 10 Minuten Spielzeit). Die Gruppenersten erreichten die Zwischenrunde. Das hätten wir schon gerne geschafft, zumal dies bisher noch keinem ”Aussenseiter” gelang.. Mit einem Quäntchen Glück hätten wir das 1. Spiel gewonnen und dann wäre vielleicht dieses Ziel auch erreichbar gewesen. So konnte der Schalter nicht umgelegt werden und unsere Defizite wurden ausgenutzt, so dass man damit zufrieden sein musste, diese klarer zu sehen, um daraus lernen zu können. Aber im Einzelnen:

1. Spiel: RWW – Werder Bremen 1:2
Wir waren kaum auf dem Feld – ich hatte die Kamera noch nicht eingeschaltet – da stand es auch schon 0:1. Ich glaube, ein Bremer bekam den Fuß in einen unserer Querpässe und spitzelte ihn ins Tor. Ein Patzer, der in einem normalen Spiel nicht passiert. Danach kamen wir einigermaßen ins Spiel und kassierten nach zwei Minuten wieder ein überflüssiges Tor. Aus dem laufenden Spiel wechselten wir den rechten Verteidiger aus und gaben dem neuen Spieler die Anweisung die Position mit dem linken Verteidiger zu tauschen. Durch das Hinausgehen des rechten Verteidigers war dessen Gegenspieler frei, bekam den Ball und sowohl der neuer Spieler, der das Feld betrat, als auch der linke Verteidiger, der ja nach rechts wechseln sollte, liefen zu diesem Spieler hin. Dadurch stand nun der rechte Stürmer völlig frei. Der linke Stürmer spielte ihn mit einem schönen Pass über die Kopfbande an und dann war´s passiert.

Danach kam RWW gut ins Spiel. Gleich dreimal wurden Stürmer völlig frei gespielt, trafen dann aber den Ball nicht richtig – was sie normalerweise können. Hinzu kamen noch einmal acht Torschüsse, z. T. aus sehr guten Positionen. Vier hielt der Torhüter, drei verfehlten das Tor und nur ein platzierter Schuss von Furkan1 traf ins Tor. Das war mehr als die Bremer zustande brachten. Eine Minute lang – die nicht nachgespielt wurde – war das Spiel wegen einer Verletzung des Werder-Torhüters unterbrochen. RWW machte Druck bis zum Abpfiff. Am Ende stand eine unglückliche Niederlage.

Torschüsse RWW: 8 davon aufs Tor: 5

Torschüsse Werder: 5 davon aufs Tor: 3

Nach diesem Spiel war die Enttäuschung groß. Eine Überraschung war sehr unglücklich verpasst worden. Ermutigend war aber der Eindruck, dass man hier – zumindest gegen einige Teams – mithalten kann. Das sollte sich dann aber in den folgenden Spielen nicht bestätigen.

Die Aarbergener hatte neben der Halle ein Zelt aufgebaut, in dem man Essen konnte – und in dem man nach sich 10 Minuten nach Abpfiff nochmal das eigene mitgefilmte Spiel auf dem Bildschirm anschauen konnte: ein Super-Service! Nach der deftigen 1:6 Klatsche gegen Eintracht Frankfurt schaute ich mir das Spiel zusammen mit Herrn Kasimir noch einmal an. Ein Königsteiner Trainer warf uns einen Kommentar rüber, wir sollten mal schön zuschauen, wir könnten hier etwas lernen. Das klang ein bisschen hämisch, wie er das sagte, war inhaltlich aber völlig richtig.

 

2. Spiel: RWW – Eintracht Frankfurt 1:6
Wir machten es der Eintracht nämlich leicht. Unsere Spieler griffen sie in deren Hälfte an, wenn sie in Ballbesitz waren, attackierten sie aber nicht eng genug, so dass sie ungestört angespielt werden konnten. Teilweise griffen wir sogar den Torhüter an, so dass ein Feldspieler völlig frei stand. Häufig waren unsere Spieler zu ballorientiert, attackierten zu zweit einen Gegenspieler – allerdings nicht eng genug – so dass beinahe fortlaufend ungedeckte Eintracht-Spieler freie Sicht auf unser Tor hatten. So konnte die Eintracht lange Pässe in diese Räume unserer Hälfte spielen, die sie nicht nur aufgrund ihrer größeren Schnelligkeit mühelos erlaufen konnten. Da viele unserer Spieler im Umschalten nach hinten zu spät reagierten oder von vorn herein die Übersicht verloren hatten, hatte die Eintracht mühelos Überzahlsituationen und noch dazu mit Tempo und freiem Raum. Schon beim letzten Blitzturnier liefen wir gegen Unterliederbach und Alzenau auf diese Weise in leichte Konter. Gegen die noch schnelleren, technisch noch besseren und im Abschluss noch stärkeren Spieler hier war das tödlich. Hinzu kam, dass auch die Torschüsse sehr hart und platziert kamen. Die umgekehrte Situation gab es dagegen nicht. Hatten wir den Ball, zog sich die Eintracht in die eigene Hälfte zurück und wartete dort. Wir mussten auf engem Raum kombinieren, um gegen aufmerksame Verteidiger jemanden frei zu spielen. Dass dies sogar einige male gelang, spricht für die technische Klasse unserer Spieler. Gleich dreimal kratzten Eintracht-Spieler den Ball von der Linie. Nur einen platzierten Flachschuss von Adrian1 ließen sie passieren. Man verpasste also durch mangelnde Konsequenz das Tor, schaltete dann zu spät auf Rückwärts und erlaubte dadurch leichte Kontertore.

Nach dem 0:2 brachte der Trainer mit Furkan1 spielende Torhüter, was bei diesem Turnier erlaubt war, um im Spiel Überzahlsituationen zu kreieren. Unterm Strich sollte dieses taktische Mittel aber nicht aufgehen.

Dass hier nicht einmal die besten Eintracht-Spieler auf dem Feld standen (welche bei einem internationalen Turnier weilten), sollte man nicht zu hoch hängen, schließlich hat ein Großverein die freie Auswahl bei der Spielerverpflichtung. Angeblich soll Mainz 05 vor dieser Saison – bis auf einen Spieler – den gesamten 2000er Kader ausgetauscht haben.

Torschüsse RWW: 7 davon aufs Tor: 6

Torschüsse Eintracht: 12 davon aufs Tor: 9

Nun hätten wir mindestens 4 Punkte aus den nächsten beiden Spielen gebraucht, um noch Gruppenvierter zu werden. Und ob das reichen würde, war auch fraglich, weil nach der Vorrunde eine Zwischenrunde stattfinden sollte – und es relativ egal war, ob man in der Gruppe 1. oder 4. war, weil dann in einem sehr homogenen Feld sowieso alles wieder von vorne losging. Vielleicht lag es daran, dass die bereits so gesicherte Eintracht gegen Bremen jeglichen Einsatz vermissen ließ, und widerstandslos eine Niederlage hinnahm.

3. Spiel: RWW – 1.FC Köln 0:3
Wieder versuchten wir es mit den spielenden Torhütern Christoph und später Furkan1. Bis zur 5. Minute stand es 0:0. Eine erstklassige Konterchance, die das 1:0 hätte sein können, ließen wir aus, weil der Spieler nicht entschlossen Tempo aufnahm und versuchte, noch einmal abzustoppen, um den ihn verfolgenden Kölner noch einmal zu fintieren. Da hier aber alle Spieler der Profivereine im Höchsttempo zurückliefen, war die Chance vertan. Dass dies bei uns nicht so war, war einer der entscheidenden Gründe für die hohen Niederlagen am heutigen Tag. Das 0:1 fiel, als ein Kölner einen nur etwas zu langsamen Rückpass zu unserem Torhüter erlaufen und den Ball an diesem vorbeispitzeln konnte.

Das Spiel nach vorne – gegen jeweils geordnet stehende Gegner – war auch hier nicht so schlecht. So konnte einer unserer Spieler aus drei Metern unbedrängt aufs Tor schießen, traf aber nur den Pfosten. Im direkten Gegenzug nutzte der Gegner unsere offene Deckung und erzielte das 2:0. Weitere chancenreiche Situationen unsererseits vereitelte Köln durch taktische Fouls.

Dies wurde von beinahe allen Mannschaften hier so praktiziert und es gab auch eine Vielzahl schwerer Foulspiele. Das wurde von den Schiedsrichtern konsequent belohnt, indem sie kaum 2-Minutenstrafen aussprachen. Offenbar ist der harte Körpereinsatz von den Profiteams so gewollt. Irgendwann soll ja schließlich die internationale Härte da sein. Nur einmal, als ein Spieler – ich weiß nicht mehr in welchem Spiel – mit dem Kopf unterm Arm vom Platz geführt werden musste, wurde der Gegenspieler mit einer Zeitstrafe bedacht.

Der Tag danach: Katerstimmung in Walldorf!

Der Tag danach: Katerstimmung in Walldorf!

 

Torschüsse RWW: 6 davon aufs Tor: 2

Torschüsse Köln: 10 davon aufs Tor: 6

4. Spiel: RWW – Hertha BSC Berlin 0:5
Die Torschussstatistik ist in diesem Spiel vielleicht nicht ganz so exakt, weil ich mit meiner Kamera nun auch nicht mehr ganz so aufmerksam war und nicht alles eingefangen habe. Beim Auszählen war ich aber überrascht, dass diese Statistik in diesem Spiel auch nicht gar so schlecht aussieht:

Torschüsse RWW: 6 davon aufs Tor: 5

Torschüsse Hertha: 11 davon aufs Tor: 8

Während wir aber nur zwei freie Schüsse aus aussichtsreicher Position hatten, waren die Berliner Chancen fast allesamt Großchancen. Die zuvor benannten Unterschiede zwischen den Teams waren hier noch einmal wie unter der Lupe zu sehen. Kamen die Berliner in der eigenen Hälfte in Ballbesitz schalteten sie gegen unsere weit aufgerückten Spieler sofort um. Und dieses kleine Momentum genügte gegen unsere zu spät reagierenden Spieler, um mühelos aus hohem Tempo in freie Schusspositionen zu kommen, die dann auch noch konsequent und mit platziertem Abschluss genutzt wurden.

Umgekehrt war sehr schön zu sehen, dass bei unseren wenigen Schnellangriffen alle vier Hertha-Feldspieler bereits wieder am oder im eigenen Strafraum waren, bevor wir zu Abschlüssen kamen.

Gruppensieger wurde übrigens Werder Bremen. Interessant war deren Spiel gegen die Hertha. Im Grundsatz wie wir, markierten sie die Berliner Feldspieler, wenn deren Torhüter in Ballbesitz war. Anders als wir aber so eng, dass dieser Mühe hatte, einen Mitspieler zu finden. Reihenweise eroberten die Bremer so bereits beim ersten Berliner Anspiel den Ball und sie erzielten auch beide Treffer zum 2:0-Sieg, weil sie nach solchen Ballgewinnen sofort frei vor dem Tor standen. Den schnellen Berlinern gelang es nie, ihre Gegenspieler zu überlaufen. Alle Bremer blieben konsequent zwischen direktem Gegenspieler und dem eigenen Tor – und dabei ganz eng am Mann. Produktives eigenes Fußballspielen war zum Sieg überhaupt nicht nötig. Hertha hatte so gut wie keine Torchance, weil sie keine Räume bekommen hatten.

Auch die anderen kleineren Teams verkauften sich heute nicht besser. Zusammen mit Königstein waren wir bester Gruppenfünfter. Das anberaumte Strafstoßschießen um Platz 17 verloren wir. Die Enttäuschung hatte wohl Nachwirkungen gehabt – einige Strafstöße wurden zu lasch ausgeführt.

Fazit: Dies war ein sehr lehrreiches Turnier. Man sollte bedenken, dass die Profikonkurrenz seit Jahren jede Woche gegen Gegner auf diesem Niveau antritt – und schon von daher viele Fehler nicht macht, die bei uns auf der Tagesordnung waren.

Auch wenn bei den anderen Teams naturgemäß reihenweise Ausnahmespieler auszumachen waren, lagen die hauptsächlichen Vorteile der anderen nicht auf balltechnischem Gebiet, sondern in der konsequenten Einhaltung der taktischen Disziplin, der Spielübersicht, der größeren Athletik und der größeren Entschlossenheit mit Tempo den Raum zum Torabschluss zu nutzen. Dies ist – wie fast alles im Leben – trainierbar und kann verbessert werden.

Heute spielten:
Yannick1 – Adil, Adrian1 (1Tor), Adrian2, Anton, Christoph (z.T als spielender TW), Furkan1 (1 Tor, z.T. als spielender TW), Furkan2, Malte, Micki, Okan, Yannick2.
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gelesen: 1470 · heute: 2 · zuletzt am: 4. Dezember 2019

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