Athleten auf dem Hallenboden ratlos

Licht durchflutet diese Halle

Durch die große Fensterwand

Doch man jagt den Lederballe

Als wär das Spiel ganz unbekannt

 

Turnier in Neu-Isenburg: teilgenommen

Unsere schlechteste Turnierleistung aller Zeiten hatten wir vor dem heutigen Tag vermutlich im letzten Jahr beim Hallenturnier in Neu-Isenburg gezeigt. Nach einem halbwegs guten Spiel gegen Viktoria Griesheim war der Akku völlig leer gewesen und die Spieler hatten sich gerade noch so auf den eigenen Beinen halten können. Das hatte man sich aber mit einem kräftezehrenden Testspiel erklären können, dass am Tag zuvor in Überlänge und unter Kühlkammerbedingungen stattgefunden hatte. Heute fällt die Erklärung schwer.

Wir hatten nämlich eine Art Déja-vu, noch dazu eines, das dem Turnier vom letzten Jahr ziemlich ähnlich sah. Zwar scheinen die Spielbedingungen gut zu sein: Rundumbande, schöner und griffiger Holzboden, viel Licht – doch auf unsere Spieler wirkt das anscheinend, als würden schwarzen Löcher oder diese komischen Higgs Bozone sämtliche Energien absaugen. Würde man sagen, sie seien Schatten ihrer selbst gewesen, hätte das unterstellt, dass man sie noch hätte erkennen können. Weil dies nicht so war, konnte man am Ende Spielerväter beobachten, die Kinder nach ihrem Namen fragen mussten, um diejenigen wiederzufinden, die man vor dem Turnier mitgebracht hatte. „Heisst du zufällig Heinz-Mustafa Gomez und bist mein Sohn?“ „Nein, tut mir leid mein Herr, ich spiele auch gar nicht für Walldorf.“ Weil sich nach einem Turnier aber die Halle leert, konnten schließlich doch noch alle gefunden werden.

Ganz so schlimm war es natürlich nicht.

Spiel1: RWW – TS Ober-Roden 3:0
Gegen einen schwachen Gegner reichte eine durchwachsene Leistung zum einzigen Sieg des Tages. Torschützen: Furkan2, Adrian1 und Micki.

Spiel2: RWW – FV 06 Sprendlingen 0:1
RW beherrschte das Spiel, ließ aber allerbeste Chancen am Fließband aus. Schließlich wurde der frei aufs Tor zulaufende Furkan2 von hinten von den Beinen geholt: 2-Minuten-Strafe. In diesen zwei Minuten wurden sechs freie Torschüsse herausgespielt. Doch auch beim Überzahlspiel muss man das Tor treffen und nicht den Torhüter anschießen oder über das Tor schießen.

Und das war schon seltsam, denn anderen Mannschaften gelang das heute spielend und beliebig oft. Z.B. Makkabi Frankfurt und Schott Mainz zeigten sich ausgesprochen spiel- und abschlussstark. Gegen Makkabi waren wir am letzten Wochenende in der Halle noch leicht überlegen gewesen. Heute schienen Welten zwischen diesen Mannschaften zu liegen, was Spritzigkeit, Geschwindigkeit und Abschlussstärke angeht.

Als die Sprendlinger wieder vollzählig waren, sensten sie Furkan1 ziemlich rustikal um. Hauptsache, die Knochen blieben heil, auch wenn die fällige Zeitstrafe diesmal ausblieb. Das hätte vermutlich aber heute auch nichts genutzt. Ach, ja: Sprendlingen hatte fast keine Torchance, nutzte sie aber in der letzten Minute zum 1:0.

Spiel3: RWW – Spvvg. Neu-Isenburg 0:2
Wieder steigerten wir uns in punkto schwachem Torabschluss. 15 freie Torschüsse fanden nicht ihr Ziel. Neu-Isenburg hatte viel weniger Torgelegenheiten. Wie viele genau, kann ich nicht sagen, weil ich die Kamera nicht immer in Richtung unseres Strafraumes geschwenkt habe, aber mehr als fünf können es nicht gewesen sein. Nach einem unnötigen Ballverlust stand es 0:1, – und wenig später konnten die Isenburger auch ihren einzigen schön herausgespielten Angriff nach einem Doppelpass erfolgreich abschließen. Dass das Spiel von unserer Seite aus zerfahrener wurde, ist im Nachhinein zu verstehen. Der ein oder andere wollte das Tor erzwingen und übersah den Mitspieler. Aber weder das Eine noch das Andere war heute von Erfolg gekrönt.

Darüber, dass es nicht gut war, waren sich alle einig. Am gravierendsten war die Abschlussschwäche – daneben fehlten die Spritzigkeit, die Schnelligkeit und auch die Zuspiele waren nicht so präzise wie gewohnt.

Nur worin liegen die Ursachen dafür? Haben wir zuviel trainiert und gespielt, so dass die Spieler körperlich und psychisch müde sind? Selbst wussten sie das auch nicht – am Willen hat es sicher nicht gelegen. Oder war hier eine Eigendynamik am Werk. Zuerst geht zufällig einiges schief und man verkrampft, so dass es erst recht nicht geht und so weiter.

Dass es aber schwer ist, so etwas zu vermeiden, sieht man daran, dass das bei Proficlubs oder Nationalmannschaften regelmäßig Schwächephasen vorkommen. Auch dem Jogi war es ja nach dem 4:4 gegen Schweden schwer gefallen zu erklären, was passiert war – und den Spielern war es nach brillanten ersten 60 Minuten auch nicht gelungen, das Desaster aufzuhalten. Nicht alle nahmen übrigens am Mobilat  Fantalk in den Spielpausen teil. Einige suchten das Weite, um Augen zu schonen, Kuchentheken leerzuessen oder nach Möglichkeiten zu suchen, sich einfrieren zu lassen. 

Als Rezept empfehle ich, entspannt zu bleiben, sich möglichst Erholungspausen zu gönnen (am nächsten Wochenende ist spielfrei) und mit allem Einsatz und mit aller Konzentration, die man abrufen kann, in die nächsten Spiele zu gehen. Dann wird uns die Welle auch wieder nach oben tragen.

Aber der Tiefpunkt war heute noch nicht ganz erreicht, auch wenn sich die Abwärtskurve naturgemäß leicht abflachte, denn viel Luft nach unten war nicht..

Spiel4: RWW – Eintracht Frankfurt U12 1:4
Die ein Jahr jüngeren Adler gewannen, weil sie mehr körperlichen Einsatz und Frische in die Waagschale werfen konnten. Sie attackierten unsere Spieler früher und wirksamer als umgekehrt. Freistöße führten sie viel schneller aus und sie versuchten so auf dem engen Hallenparkett die entscheidenden Zentimeter zu gewinnen, was ihnen verdientermaßen auch gelang. Und sie nutzten kleine Unaufmerksamkeiten zu Torschüssen aus. Sie hatten auch als erster Gegner heute ein Plus in dieser Statistik uns gegenüber zu verzeichnen (9:5). Micki nutzte kurz vor Schluss einen Torwartfehler mittels Bandendoppelpass mit sich selbst zum 1:4.

In diesem Spiel hatten sicher auch die Misserfolge der vergangenen Partien nachgewirkt.

Im letzten Jahr hatten wir des öfteren gegen sehr gute Mannschaften gewonnen, die ein Jahr älter waren. Ich erinnere nur an das 5:0 gegen den späteren Hessenmeister RW Frankfurt. Heute hätten wir wahrscheinlich auch gegen uns selbst verloren, wenn wir eine Zeitreise ins Jahr 2012 angetreten hätten (wenn es nicht gerade das Wochenende beim Isenburger Turnier gewesen wäre).

Spiel5: RWW – Schott Mainz 1:3
Die Mainzer waren bereits für das Halbfinale qualifiziert. Phasenweise spielten wir gut mit. Doch bereits in den ersten Spielminuten hatte man den Mainzern zu einer 2:0-Führung assistiert. Wieder hatten unsere Spieler einfach langsamer reagiert als die Gegenspieler, so dass diese den Fuß an den Ball brachten. Dann kam RWW wieder besser ins Spiel. Nach einem schönen Treffer von Furkan1 zum 1:2, trafen Yannick2, Micki und noch einmal Furkan1 jeweils Pfosten und Latte. Immerhin waren diese Torabschlüsse schon präziser. Dass es aber heute nicht sein sollte, hatten wir längst akzeptiert. (Torschüsse: 9:10).

Man sollte sich nun nicht allzu sehr beirren lassen. Es kann ja nicht plötzlich alles schlecht sein, was vorher gut war. Ich hab mal Schafgarbenzweige geworfen und das I-Ging-Orakel befragt. Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden haben aber ich glaube, es hat gesagt: „Kranich steht auf einem Bein – Segen bringt Beharrlichkeit.“

Aber wie die Erde, so der Ball. Er dreht sich weiter, Und schon am Dienstag ist Gelegenheit, den heutigen Eindruck auszuradieren, wenn Damstadt 98 zum Gruppenliga-Spitzenspiel bei uns zu Gast ist.

Heute aber spielten (ein bisschen gemächlicher als üblich):
Yannick1 – Adrian1 (1 Tor), Adrian2, Anton, Cristoph, Enes, Furkan1 (1), Furkan2 (1), Micki (2), Yannick2.

Alle sehenswerten Szenen in der Bildergalerie

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gelesen: 1306 · heute: 4 · zuletzt am: 14. Dezember 2018

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