Halbes Dutzend im Halbfinale

Kalte Nässe zieht die Kräfte

Aus den Knochen aus der Seele

Schnelle Pässe wärmen Säfte

Bis sie kochen aus der Kehle

Halbfinale im Kreispokalwettbewerb: SC Opel Rüsselsheim – RWW 0:6 (0:2)

Rüsselsheim gibt es etwa seit Mitte des 7. Jahrhunderts und wird ca. zweihundert Jahre später erstmals urkundlich erwähnt – als „Heim des Ruciles“. Ob dieser Ruciles in besonderer Weise berüsselt war – darüber wird in Kreisen der Heimatforscher noch diskutiert. Im Spätsommer 1275 gingen Land und Leute in den Besitz von Werner von Münzenburg über. Am 14.3.1971 gewann dann Opel Rüsselsheim 1:0 beim Tabellenschlusslicht Wacker München und kletterte auf Rang 11 der Regionalliga Süd. Ein schönes Foto dieser Mannschaft ziert noch heute die Vereinsgaststätte. Einige Spieler traten mit Rundausschnitten, einige mit V-Ausschnitten an. Dass Opel in einer so hohen Klasse spielte, ohne dass türkische Ballkünstler mit am Start waren, nahmen wir – die Herren Erdogan, Duran, Pohland, Wolf und Cezanne – staunend zur Kenntnis. Kaum hatte also dieses Spiel in München stattgefunden, hängt auch schon das Bild in der Kneipe und unsere D1 tritt im Pokalwettbewerb im „Heim des Ruciles“ an. Und das an einem durchaus sehr ungemütlichen Tag. Kalt, windig, regnerisch, düster, wolkenverhangen, brrr! Wo doch heute Frühlingsanfang ist! Leicht verlegen gestanden wir uns gegenseitig unsere schlechte Stimmung. Auf die Dauer hat uns das Fehlen des Lichtes tatsächlich mürbe gemacht. Von der Gemütsverfassung her hätten wir finnische Pässe beantragen können und den notwendigen Wesenstest mühelos bestanden. Melancholisch, depressiv, weinerliches Selbstbemitleiden oder sich kataton Zuregnen und Festfrieren lassen. Der freundliche Herr in der Vereinsgaststätte bemühte sich denn auch um allerlei Stimmungsaufheller. Den gewünschten schwarzen Tee stellte er in die Mikrowelle. Der Teebeutel stammte womöglich noch aus Beständen des Ruciles oder wenigstens der 71er Opel-Mannschaft, aber immerhin war die Tasse warm und es gelang mir ohne Zitteranfäle zu trinken.

Völlig schmerzfrei dagegen wirkte unsere Mannschaft auf dem Platz. Mit brasilianischer Fröhlichkeit wirbelte sie durch diesen unwirtlichen Ort. Der Platz wirkte kurz, der Kunstrasen abgelebt, seifig und schnell. Und auch die Opel-Spieler zeigten sich frühlingsmäßig agil. Keine Ahnung, wo die das alles herholen. Sie attackierten die Walldorfer früh und versuchten, sofort in die Spitze zu spielen. Weil unsere Rot-Weißen aber ebenfalls hellwach, ergaben sich immer wieder Lücken und freie Räume in der Rüsselheimer Abwehr, in die man mit hohem Tempo spielte. In punkto Zielstrebigeit schienen wir einiges zugelegt zu haben. Trotzdem war die einzige Kritik – und das ist eigentlich schon ein bisschen peinlich hier überhaupt zu kritisieren – dass manchmal Chancen zum Torabschluss nicht entschlossen genutzt wurden. Nach ca. fünf Minuten spielte man sich über die rechte Seite an die Grundlinie, legte den Ball an den langen Pfosten, wo Okan mühelos einnetzen konnte. Nach einer Viertelstunde dann eine Flanke von Adil, wieder von rechts an den langen Pfosten – und diesmal musste Okan den Kopf nehmen, was er dann auch tat. 2:0. Die Defensive spielte nahezu fehlerlos, kaum unnötige Ballverluste, sicheres Aufbauspiel, gute Pässe nach vorne. Es ist ja eigentlich Tradition, dass wir gegen Opel ein paar Gegentreffer fangen. Heute hatten sie kaum eine echte Torchance, obwohl sie sich nach Einschätzung der meisten Beobachter in guter Verfassung präsentierten. Durch die Bank waren alle Walldorfer gut aufgelegt – und auch die Trainer hätten kaum etwas zu kritisieren gehabt. Christoph und Yannick2 hielten die Mitte dicht und schalteten sich auch immer wieder ins Angriffsspiel ein. Yannick2 traf mit einem Kopfball den Pfosten und Lorenz mit einem Schuss die Querlatte. Und es fühlt sich so an, als hätten wir noch einen weiteren Aluminiumtreffer gehabt – ich kann mich aber nicht konkret erinnern.

Der Vorsprung zur Pause war also noch nicht entscheidend groß. Man hat das ja schon oft gesehen. Alles scheint entschieden und ein Treffer kann auf der einen Seite Kräfte frei machen und auf der anderen Seite Unruhe bringen. Nichts dergleichen aber in der 2. Halbzeit. Recht früh gelang eine schnelle Ballstafette, die Micki zum 3:0 abschloss. Dann behauptete Adil den Ball an der Grundlinie gegen mehrere Gegenspieler und legte Yannick2 das 4:0 auf. Vereinzeltes Jubelgeheule Walldorfer Väter deutete darauf hin, dass sich ihre wintertrübe Erstarrung etwas zu lockern schien. Dann ein Foul im Strafraum an Adil und Christoph schießt den Strafstoß ans hintere Torgestänge: 5:0. Die Schlussphase gehörte dann Freestyler Furkan1, der mit einigen Torabschlüssen unglücklich scheiterte. Höhepunkt war eine seitfallziehermäßige Direktabnahme nach einer Lorenz-Flanke, die vom Innenpfosten aber wieder zurück ins Feld sprang. Die Welt ist meistens ungerecht. Hier war sie es nicht. Kurz vor Schluss spitzelte Furkan1 nämlich noch einen Ball zum 6:0 in die Maschen.

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Damit ist das Endspiel am 1. Mai erreicht. Der Gegner wird in der Partie zwischen der SKV Mörfelden und der SKG Stockstadt ermittelt. Hoffentlich ist bis dahin auch Malte wieder fit, der nach einem gemeinschaftlichen Foulspiels seines Boxsackes und seines Teppichs (mal wieder ein Teppich!) nun für einige Wochen zwangsweise pausieren muss. Gute Besserung!

Auf dem Rüsselsheimer Kunstrasen spielten aber heute:
Yannick1 – Adil, Adrian2, Anton, Christoph (1), Enes, Furkan1(1), Furkan2, Lorenz, Micki (1), Okan (2), Yannick2 (1).

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gelesen: 1750 · heute: 2 · zuletzt am: 23. Januar 2021

1 Antwort zu “Halbes Dutzend im Halbfinale”

  1. Carsten 02. Apr, 2013 am 13:18 #

    Danke im Namen von Malte für die Genesungswünsche und euch viel Erfolg bei dem Turnier im Schwäbischen!
    Grüße von Malte und Carsten

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