Nicht von Pappe die Etappe

Die Sonne biegt schon ab zum Schlaf

Es fliegen viele Worte

Wer ist hier Wolf und wer ist Schaf

An König Fußballs Orte?

 

8. Gruppenligaspiel: RWW – SV Darmstadt 98 U12 3:1 (2:1)

Das Spitzenspiel fand über weite Strecken auf einem hohen Niveau statt. Man hätte als Zuschauer seine Freude über die Leistungen auf beiden Seiten haben können.

Auch der Schiedsrichter war – mit Einschränkungen – noch okay. Klar: wenn schon Profis in der Bundesliga regelmäßig Schwierigkeiten haben, Abseits und Foulspiel, Hand oder Toraus richtig zu beurteilen, dann kann das auch ein Nachwuchsschiedsrichter – noch dazu ohne unterstützende Linienrichter – nicht fehlerfrei schaffen. Gerade Abseitsentscheidungen sind manchmal ein Ding der Unmöglichkeit. Dass ein Foul im Strafraum anscheinend schwieriger zu pfeifen ist als außerhalb, hat wohl mehr psychische Gründe. Dass dann Zuschauer eben „Foul/kein Foul“ oder „Abseits/kein Abseits“ reinrufen, ist an sich auch nicht tragisch – und auch die Zuschauer sehen ja nicht alles richtig. Besser ist es bei einem Jugendspiel natürlich, wenn man nichts hereinruft. Und die meisten Zuschauer auf beiden Seiten haben heute auch nichts gerufen. Der aktivere Rest sorgte dennoch für eine stetige live-Kommentierung. Und dabei dürften sich die Anteile der Darmstädter und der Walldorfer quantitativ in etwa die Waage gehalten haben.

So weit, so gut. Heikel wird es, wenn sich die Rufe nicht auf Spielbeobachtungen beziehen, sondern „bewertend“ werden. Okay finde ich das, wenn noch ein Funken Humor erkennbar ist. Rief heute z. B. ein Angehöriger einer Mannschaft „das war zwei Meter im Abseits!“, konnte man sicher sein, dass das von einem ironischen „acht Meter!“ aus dem anderen Lager beantwortet wurde. Und ein Fünkchen Wahrheit war da natürlich auch dran, denn man sah natürlich immer die eigene Mannschaft benachteiligt, nie die andere. Oder wenn man es sah, konnte man sich gerade so beherrschen, dies auch mal lauthals kund zu tun.

Welche Wirkung erzielt man aber, wenn man jemanden zweimal auffordert, zusammen mit ihm das Gelände zu verlassen, um sich zu prügeln, nur weil jener „Kein Abseits!“ gerufen hatte oder wenn man zu seinem Trainerkollegen sagt: „Du hast doch keine Ahnung von Fußball, du Assi!“ (um mich mal auf zwei Beispiele zu beschränken). Denkt das Gegenüber dann: „Oh, was haben wir hier für liebenswürdige Gäste! Das macht Laune, die mal näher kennen zu lernen!“?

Die entsprechende Filmszenen oder transkribierten Dialoge konnten leider unsere Veröffentlichungshürde nicht überspringen. Für derart Niveauvolles gibt es schließlich nachmittags Bildungsprogramme in den privaten Fernsehsendern. Ich will das Ganze nun aber auch nicht völlig übergehen, denn man kann ja die Welt nicht verbessern, wenn man das Übel nicht beim Namen nennt. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, dass eine Wirkung dieser Haltung ist, dass sich absichtliche und sinnlose Foulspiele auf Seiten der 98er häuften, als sich abzeichnete, dass sie das Spiel verlieren würden. Das war kürzlich in der Halle bei der Regionenmeisterschaft schon so gewesen. Und auch die Regionenmeisterschaft 2011 habe ich in diesbezüglich schlechter Erinnerung. Ob das daran liegt, dass man als „Profitruppe“ glaubt, unbedingt gewinnen zu müssen? Ob man hier schon die Angst eine Rolle spielt, dass der Vertrag nicht verlängert werden könnte? Schließlich soll z. B. Mainz 05 vor dieser Saison fast die komplette Mannschaft weggeschickt haben (wenn ich richtig informiert bin). Ich weiß es nicht. Mir ist jedenfalls ein Timo Boll lieber, der bei einer WM einen Ball zugunsten des Gegners korrigiert, als ein Rennfahrer, der hier in öffentliche Schulen gegangen ist und dann ins Ausland flüchtet, um nicht hier Steuern zahlen und etwas zurückgeben zu müssen.

Versuchen wir also, unseren Kindern gute Vorbilder zu sein, denn das ist es, woran es auf diesem Erdball am meisten zu mangeln scheint.

Jaja, Laberrhabarber“, denkt ihr, „jetzt hör mal auf zu schwafeln und zu predigen und schreib endlich mal, wie das Spiel war!“. Na dann:

Gleich zu Beginn zeichnete sich ab, dass es ein ansehnliches Spiel werden würde. Die Darmstädter versuchten mitzuspielen, was uns Räume nach vorne öffnete. Diese nutzte unsere Mannschaft auch durch sicheres Passspiel. Schon in der 4. Minute wurde Okan in der Sturmspitze freigespielt, der dann auch sicher verwandelte. Und das war schön, denn sein Einsatz hatte am Tag zuvor noch auf der Kippe gestanden. Bravo Okan, rechtzeitig gesund geworden! Eine Reihe weiterer guter Chancen ließen wir dann aus. Auch wurden einige Chancen durch zumindest fragwürdige Abseitspfiffe verhindert.

Die Darmstädter zeigten gute Ansätze, konnten sich aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit aber nicht so weit durchsetzen, dass sie zu klaren Torchancen kamen. Unsere Abwehrspieler waren aber schon beständig gefordert. Am gefährlichsten waren die 98er mit Freistößen. In der 11. Minute nutzten sie einen solchen zu einem ballackmäßigen Schuss an die hintere Torstange: 1:1. In der 20. Minute war es dann wieder Okan, der von seinen Mitspielern in Szene gesetzt wurde, den Torhüter ausspielte und zur 2:1-Führung einschob. Zur Halbzeit war man allgemein der Meinung, dass die Führung angesichts der vielen guten Chancen zu knapp war.

Auch in der 2. Spielhälfte war die rot-weiße Defensive stabil. In der 39. Minute schloss Adrian1 einen Konter sehr sicher zum 3:1 ab. Bei weiteren Kontern hätte es drei Strafstöße geben können – zwei hätte es geben müssen, nachdem Adrian1 und Christoph mit Foulspielen am Torschuss gehindert wurden. Bei einigen weiteren aussichtsreichen Torabschlüssen wurde der Kasten knapp verfehlt. So blieb es schließlich beim verdienten 3:1-Sieg für unsere Mannschaft.

Weil die 98er zwei Tage später auch ihr Heimspiel gegen Heppenheim mit 2:3 verloren, dürften sie sich vorläufig aus dem Rennen um die Meisterschaft verabschiedet haben und müssen auf Schützenhilfe durch andere Mannschaften hoffen.

Unser Team hat weiter eine weiße Weste. Trotzdem sollte man weiter jedes Spiel ernst nehmen, denn gerade das Turnier am letzten Wochende hat wieder gezeigt, dass man auch immer mal gegen eine eigentlich schwächere Mannschaft verlieren kann.

Nicht verloren haben heute aber:
Yannick1 – Adil, Adrian1 (1 Tor), Adrian2, Anton, Christoph, Enes, Furkan1, Furkan2, Lorenz, Micki, Okan (2), Yannick2.

Ein paar Fotos – zur Filmbearbeitung reicht mir momentan die Zeit nicht

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gelesen: 1339 · heute: 2 · zuletzt am: 30. Juli 2021

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