Immer auf die Kleinen!

Immer auf die Kleinen!

Es war einmal ein Bauer. Dem sagt eine gute Fee,

dass er einen Wunsch frei habe. Er möge aber bedenken,

dass egal was er sich wünsche sein Nachbar das

Doppelte bekommen werde. Der Bauer überlegte eine Weile und sagt schließlich:

”Ok, reiß mir ein Auge raus.”

Regeln der dritten Art beim Turnier der SKV Mörfelden

Vor vielen Wochen erhielt RW Walldorf eine Einladung der SKV Mörfelden. Unser Nachbar veranstaltet ein großes Bundesliga-Turnier für 2001er-Mannschaften, das in zwei Wochen ausgetragen wird. Heute gab es dafür ein Qualifikationsturnier, das für 2000er-Mannschaften ausgeschrieben war. Dafür könne man sich anmelden. Das taten wir dann auch.

Weil am heutigen 1. Mai auch das Kreis-Pokalendspiel stattfand – zufällig auch gegen die SKV Mörfelden -, hatte ich im Beisein unseres Jugendleiters, Herrn Eigler, schon vor zwei Wochen einmal bei den Nachbarn vorgesprochen, ob man das Pokalfinale auf einen anderen Tag verlegen könnte, oder – falls das nicht geht – auf eine frühere Uhrzeit, damit wir der Einladung nach Mörfelden auch nachkommen könnten. Da erzählte man uns, dass der Kreis das Spiel auf gar keinen Fall verlegen würde. (Diese Art des Argumentierens wiederholte sich übrigens. Man selbst würde uns gerne entgegenkommen, aber wegen irgendwelchen Dritten – strengen Regeln, Verbänden, Bundesligamannschaften, Veranstaltern – sei das nicht möglich. Das stellte sich aber zumindest nicht immer als ganz richtig heraus.) Es sei auch ein Fehler auf der eigenen Homepage. Es sei gar kein 2000er Turnier. Unsere 2001er-Mannschaft, die D3, sei ja auch schon zum Bundesliga-Turnier eingeladen. Der „Veranstalter“ (wahrscheinlich war PT-Sports gemeint) wolle keine 2000er. Alles wurde ganz freundlich vorgetragen.

Aha, da würden die Mörfelder sicher bald auf ihrer Internet-Seite schreiben, dass da ein Fehler vorliegt und nur 2001er spielberechtigt seien. Taten sie aber nicht.

Herr Eigler hatte dann einige Tage später noch einmal nachgehakt und die Antwort bekommen, dass 2000er spielen dürften, es aber „problematisch“ sei, wenn sie für die 2001er der Bundesligavereine „zu stark“ seien. (Klar, die Jugendmannschaften von Bundesliga-Vereinen scheuen bekanntermaßen Vergleiche mit jahrgangsälteren Mannschaften kleiner Vereine wie der Teufel das Weihwasser. Die wollen gegen schwache Mannschaften spielen, denen sie mühelos die Kiste vollhauen können, weil sich ihre Spieler so besser entwickeln können. Eigentlich spielen sie auch nicht gerne gegen andere Bundesligavereine. Am Liebsten spielen sie gegen kleine Mädchen.).

Den Turnierplan bekamen wir dann eine Woche vor dem Turnier, die Durchführungsbestimmungen etwa 12 Stunden vor dem Anpfiff des ersten Spiels.

Wir waren ja wegen der Auskünfte und ehrlichen Gesichter unserer Nachbarn schon davon überzeugt gewesen, dass wir nicht teilnahmeberechtigt seien. Beim Studium der Unterlagen konnten wir aber keinen eigenen Fehler und kein Ausschlusskriterium finden, warum wir denn nun nicht teilnehmen sollten. Da stand: Turnier für Jg. 2000 und 2001. Es stand nirgendwo geschrieben: Spieler der D1 von RW Walldorf sind nicht startberechtigt.

Also halfen die Herren Wissenbach und Kämpfner aus. Sie kamen mit fünf eigenen Spielern und vier Leistungsträgern unserer D1-Mannschaft nach Mörfelden, während unsere übrigen Spieler nach Nauheim zum Pokalfinale fuhren – wo sie dann auch 5:0 gegen die SKV Mörfelden gewannen.

Anschließend kamen wir mit 4 D1-Ergänzungsspielern nach Mörfelden. Das hatte das Kampfgericht in Mörfelden dann in hellen Aufruhr versetzt. Sie zogen wirklich alle Register, um Begründungen zu finden, warum diese Spieler nicht eingesetzt werden sollten.

Nein, die Meldung der vier zusätzlichen Spieler käme zu spät. Sie dürften nicht mitspielen.

Aber man habe doch vor Turnierbeginn gefragt, ob man nachmelden könne – oder ob man die Ergänzungsspieler sofort anmelden solle. Da war dann wenigstens einer bei der Turnierleitung so ehrlich und gab zu, dass er Herrn Kämpfner wirklich versprochen hatte, dass wir später noch nachmelden dürften.

Aber Spieler, die schon beim Pokalfinale eingesetzt wurden, die dürften heute nicht nochmal spielen. Das sei Regel beim Fußballverband (!) und dort sei man ganz streng. Klingt erst mal nicht unplausibel. Was hält man aber davon, wenn derjenige, der das sagt einen Sohn hat, der mit seiner E-Jugend heute ebenfalls ein Pokalfinale gespielt hat – und nun sogar mit der kompletten Mannschaft ins Mörfelder E-Jugend-Turnier einsteigt? Darauf aufmerksam gemacht, schwieg er.

Die Schiedsrichter, die dabei standen, sagten, dass die Teilnahme an beiden Veranstaltungen am selben Tag sehr wohl erlaubt sei. Das Mörfelder Turnier sei keine Veranstaltung des Fussballverbandes – also kein Problem. Schön, dass der ominöse Dritte hier mal anwesend war, der angeblich nicht will, dass wir teilnehmen, und es richtigstellen konnte.

Als wir uns auf das Halbfinale vorbereiteten, rannte uns dann noch ein Offizieller an den Spielfeldrand nach. Auch wenn wir das Turnier gewinnen sollten – anscheinend eine grauenvolle Vorstellung -, dürften unsere 2000er nicht am Bundesliga-Turnier teilnehmen. Sie seien zu alt.

Wenn ein Verein eine Einladung zu einem Turnier bekommt, achtet der Veranstalter üblicherweise darauf, dass die Spieler einen Spielerpass haben und zur entsprechenden Altersklasse gehören. Ob die in diesem Verein in der E1, D4 oder C3 spielen, überlässt man dem Gast. Häufig mischen Vereine bei solchen Turnieren auch Spieler verschiedener Mannschaften – so wie wir heute. Das interessiert normalerweise kein Schwein.

Hier war es aber hochwichtig. Mal durften keine 2000er spielen. Mal sollten keine Spieler beim BL-Turnier mitspielen, die beim Qualifikationsturnier nicht mitgespielt haben (das zielte wohl auf unsere nicht eingesetzten D1-Spieler). Andererseits fände er es o.k., wenn unsere D2, auch eine 2000er-Mannschaft, mitspielt. Das „passe sportlich“. Auch, wenn jetzt nur fünf D2er dabei waren, könnte man dann schon andere bringen. Er freue sich aber wirklich sehr, dass wir heute da seien.(Wir sollten ihm über facebook mal eine Freundschaftsanfrage schicken.) Er fände es aber „schade“, dass wir D1-Spieler nachgemeldet hätten. Warum andere Vereine hier mit 2000ern spielen, z. B. Kastel mit einer ähnlich starken Mannschaft und sich qualifizieren dürfe? Das „interessiere“ ihn nicht. „Es geht mir nur darum, klarzumachen, dass Eure D1 beim BL-Turnier nicht mitspielt – auch wenn ihr heute gewinnt.“ Auch unser Jugendleiter hätte ihm dies versprochen. Dieser lässt nun aber ganz sachlich ausrichten, dass er keines einverstanden sei, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wurde und dass wir hier unfair und nicht korrekt behandelt worden sind.

Am Ende war aller Mörfelder Angstschweiß umsonst vergossen und man hatte völlig umsonst performt (um es mal neudeutsch zu sagen). Turniersieger wurde nämlich völlig verdient die TSG Mainz-Kastel. Auch eine Gruppenligamannschaft. Auch 2000er. Wir kennen die Mannschaft und sie ist – wie gesagt – in etwa so stark wie unsere D1 auch.

Ich habe mit dem Trainer aus Kastel gesprochen. Ob ihm auch gesagt worden sei, dass seine D1 nicht teilnehmen darf, dass das Turnier gar kein 2000er-Turnier sei. Dass irgendwelche Veranstalter oder Bundesligavereine da Bedenken hätten. Dass er nicht am Bundesligaturnier teilnehmen darf, auch wenn er die Qualifikation gewinnt. Dass keine Spieler spielen dürften, die am Quali-Turnier nicht teilgenommen haben. Nein, das alles sei ihm neu. Das habe niemand zu ihm gesagt. Falls sie ihn in Mörfelden aber nicht wollten, bräuchte man das nur zu sagen. Sagte man ihm aber nicht. Bei der Siegerehrung wurde bekannt gegeben, dass Kastel teilnehmen darf. (Dann viel Spaß und seid mal nicht zu gut, sonst haben „die Bundesligavereine“ Probleme …).

Wie unterscheidet sich nun die D1 aus Kastel von der D1 aus Walldorf? Eigentlich nur darin, dass die nicht für Walldorf spielt.

Auf der anderen Seite vernimmt man, dass man von den Sonderwünschen der Bundesligavereine schon etwas „beansprucht” sei. Hannover 96 etwa habe es abgelehnt, in Frankfurt in die S-Bahn zu steigen und die fünf Stationen nach Mörfelden zu fahren. Antwortet man da mit einer Empfehlung des Bundesumweltamtes, wonach der öffenliche Nahverkehr zu bevorzugen sei? Oder sagt man da, dass man es den 96ern zutraue, auch alleine nach Mörfelden zu finden? Nein, da kuscht man wohl eher und organisiert einen Bustransfer nach Mörfelden.

Herr Kämpfner vermeinte hinterher, er fühle sich in das Flair einer Dreschflegelschlacht von 1699 zurückversetzt, die er selbst miterlebt haben will. Wer dies nicht versteht, möge hier  den ersten Absatz lesen und besonders den fünften Satz beachten.

Doch nun zum Turnier:

Die Vorrunde habe die gemischte Truppe nach Aussagen aller Augenzeugen mit guten Leistungen bestritten. Auf holprigem Platz habe die Mannschaft einfache und klare Bälle gespielt. Adrian1 habe einige Tore geschossen und vorbereitet. Die Außen Oskar und Emmanuel hätten geradlinig und schnell agiert. Die Abwehr habe alles im Griff gehabt.

So hatte man nach Siegen gegen SKV Mörfelden (5:0), TuS Kriftel (3:1), SSG Langen (1:0) und einem 1:1 gegen Eintracht Waldmichelbach sicher den Gruppensieg errungen.

Spiel 1: RWW – SKV Mörfelden 5:0
Trotz Anstoß für Mörfelden: 1:0 nach 12 Sekunden von Adrian1, welcher auch auch das 2:0 schoss und an den Treffern von Paul und Oskar (2) beteiligt war.

Spiel 2: RWW – Eintrach Waldmichelbach 1:1
Tore 1:0 Okan (6. Minute), 1:1 (10. Minute). Spiel auf ein Tor gegen einen hoffnungslos überforderten Gegner. Wir haben allerdings zu behäbig gepielt und die Torchancen reihenweise liegen lassen. Kurz vor Schluss dann ein zu kurzer Rückpass auf Özkan im Tor und auf einmal stehts unentschieden.

Spiel 3: RWW – SV 07 Kriftel 3:1
Tore: 1;0 Okan (4. Minute), 2:0 Emmanuel (6. Minute), 2:1 (7. Minute), 3:1 Oskar (9. Minute). Verdienter Sieg in einem hoch überlegenen Spiel, bei dem die Krifteler nur zwei oder dreimal vor unser Tor kamen. 

Spiel 4: RWW – SSG Langen 1:0
Tor Oskar (5. Minute). Hochverdienter Sieg, der ebenfalls zu niedrig ausgefallen war.

Halbfinale: RWW – Regionalauswahl Darmstadt Mädchen 99er 0:0 5:6 n.E.
Im Halbfinale gegen die 99er-Bezirksauswahl der Mädchen – nun mit den vier Ergänzungsspielern – war unsere Mannschaft feldüberlegen, aber nicht zwingend genug. Einige gute Tormöglichkeiten wurden ausgelassen und dann waren die 12 Minuten Spielzeit auch schon um. Im Neunmeterschießen landeten zwei unserer Schüsse am Pfosten – Yannick1 konnte nur einen Schuss halten und damit hatten wir nur das Spiel um Platz 3 erreicht.

Spiel um Platz 3: RWW – SV 07 Kriftel 0:0 Strafstoßentscheid für Kriftel
Das Spiel um Platz 3 gegen Kriftel war ebenfalls ein Spiel auf ein Tor, auf das des Gegners. Immer wieder liefen unsere Spieler dabei in die Abseitsfalle bzw. war sie diesbezüglich etwas unaufmerksam. Ausnutzung der Torgelegenheiten: Fehlanzeige. Am Ende wieder ein 0:0. Strafstoßschießen noch einmal verloren und Platz 4.

Vielleicht hatten es die Mörfelder ja doch nur gut mit uns gemeint. Vielleicht hätten wir ohne unsere Ergänzungsspieler das Turnier gewonnen.

Das glaub ich aber eher nicht. Kastel machte heute auf mich einen fitteren und schlagkräftigeren Eindruck als wir und gewann das Turnier verdient. Wir wünschen euch beim Bundesligaturnier viel Spaß und Erfolg. (Sagt Bescheid, falls euer Nachbarverein mal ein Bundesligaturnier startet.)

Für uns aber spielten heute:
Özkan – Adrian1, Adrian2, Emmanuel, Lorenz, Okan, Oskar, Paul, Tim.

Und ab Hafi durften nach heldenhaftem Einsatz der Herren Kämpfner und Wissenbach ergänzen: Adil, Christoph, Yannick1, Yannick2.

Tags: , , , ,

gelesen: 1039 · heute: 3 · zuletzt am: 22. Oktober 2018

Bisher keine Kommentare.

Hinterlassen Sie eine Antwort