Kämpfner um ein Haar Turniersieger!

Endlich Sonne, endlich heiß

Ist ja Juni schließlich

Auf dem Felde fließt der Schweiß

Was dort nicht ist verdrießlich

Ein Vierzeiler mit gleich fünf „ß“! Das geht ja gut los hier. Gut los ging es auch beim Turnier. Ein Heer von Helfern stand bereit, ein Turnier mit 15 teilnehmenden Mannschaften zu stemmen. Routinierte Koch- und Backspezialisten bauten bereits die Kuchentheke auf. Frau Beisler etwa hatte schon mit den Qualitätsprüfungen begonnen, während ihr Gatte vermutlich zuhause schon die Grillmesser wetzte. Strahlend polierte Kaffeemaschinen brannten auf ihren Einsatz. Herr Kämpfner hatte bereits die Tore aufgestellt. Vermutlich war er hier einem Rat seines Anwaltes gefolgt. Herr Platzwart Wolf hatte die Kabinen einem letzten kritischen Blick unterzogen. Der Rasen war auf Wembleyhöhe gekürzt. Mit einem wohlausgewählten Musikprogramm unterlegte er die Szenerie mit einem würdigen Klangteppich. Der Jugendleiter hatte detaillierte Unterlagen vorbereitet – und mit Hilfe eines Elektronenrechners konnten sogar die Turnierbestimmungen materialisiert werden.

(Und noch einmal, Herr Dr. Poth: Bei den Walldorfer Sommerturnieren gibt man nichts auf direkte Vergleiche! Die existieren nicht mal als Druckerschwärze. Sollen doch Heerscharen an Anwälten anrücken! soll sich doch die Champions League solch neumodischen Flausen hingeben! Wir nicht!). Hier war Herr Meister sehr hilfreich, der sich auf dem Stick des Herrn Jugendleiter Eigler besser auskannte als dieser selbst. Und weil mir, dem Turnierleiter, auch noch Herr Pohland als Auszubildender zur Seite gestellt worden war, konnte nichts schief gehen. Dieser verfügt nämlich über ausgezeichnete Programmierkenntnisse (Turnierplan!) und über eine natürliche Begabung am Mikrofon (Ansagen!). Da war es fast ein wenig verschenkt, dass ich selbst gut ausgeschlafen und in gutem Zustand (räumlich und zeitlich wohl orientiert) von meinem Chauffeur gebracht worden war. Eigentlich hätte ich die Nacht durchmachen können und es wäre auch so gelaufen wie am Schnürchen. Zumal es sehr gut weiterging: immer wieder kamen Damen und Herren von der Verpflegung und versorgten uns mit Getränken und Leckereien. Danke dafür noch einmal!

Gespielt wurde in drei Gruppen á fünf Mannschaften, Spielzeit je 15 Minuten. Da auf drei Feldern gespielt wurde, lag man mit einem Kämpfner-Faktor 2,5 in einem optimalen Bereich, berücksichtigt man das warme Wetter. Und auch das nochmal ins Stammbuch aller jener, die es dort lesen wollen: Beim Walldorfer Sommerturnier der 2000er ist es warm und es scheint die Sonne – egal wie das Wetter bis dahin gewesen ist. Zurück zum Turniermodus: Die Gruppenersten und -zweiten, sowie die beiden besten Gruppendritten erreichten die Viertelfinalspiele.

Die D1 trug ihre Spiele auf dem Kunstrasenplatz aus, so dass ich von diesem Spiel nur vom Hörensagen berichten kann. Von meinem Turnierleiterstühlchen konnte ich nur das Geschehen auf den beiden Rasenplätzen einsehen. Herr Karabulut berichtete mir jedoch schriftlich von allen Spielen und gab mir sogar ungefragt meinen Kugelschreiber wieder. Das macht auch nicht jeder!

1. Gruppenspiel: RWW – SV Blau-Gelb Frankfurt 0:0
Unserem Team fehlte die Frische und es erspielte sich nur wenige Torchancen. Die Blau-Gelben seien sehr engagiert und gut organisiert gewesen. Zu eigenen Angriffen seien sie jedoch nicht gekommen. Nach Meinung des Herrn Kasimir hätten die Blau-Gelben allerdings auch eine Portion Glück gehabt.
Dieses Spiel war auch die Premiere unseres Neuzuganges Dogukan. Er hatte während der Saison seinen alten Verein (RW Frankfurt) verlassen und eine 6-monatige Sperre auf sich genommen. Seither trainiert er in Walldorf – und heute also mit taufrischem Spielerpass sein erstes Spiel.

Während dessen konnte ich zeitweise dem Spiel RW Frankfurt gegen SKV Mörfelden zuschauen. Eltern und Trainer der Frankfurter beklagten sich am Spielfeldrand immer wieder lautstark über Schiedsrichterpfiffe. Eckbälle, Einwürfe seien falsch und zu deren Ungunsten entschieden worden. Das waren meist pressballähnliche Szenen. Von meiner Position war nicht zu sehen, ob die Pfiffe richtig waren oder nicht. Der Schiedsrichter sagte mir im Anschluss, dass er schon sicher sei, richtig entschieden zu haben. Es seien enge Szenen gewesen und die Zuschauer hätten das falsch gesehen. Den eigentlichen Aufreger des Spiels habe ich dann nicht gesehen. Es scheint aber unstrittig zu sein, dass der Mörfelder Torhüter einen Tritt ins Gesicht bekommen hat, als er gerade am Boden lag. Er musste dann auch ausgewechselt und behandelt werden. Der Frankfurter Spieler erhielt für diese Aktion eine Zeitstrafe.
Symptomatisch war, was dann folgte: Trainer und Betreuer der Frankfurter beschwerten sich in recht erregter Weise bei Herrn Pohland und mir über den Schiedsrichter im allgemeinen und die Hinausstellung im besonderen. Dabei sind besonders die Begründungen interessant, weil es sich nach meiner Erfahrung um Klassiker bei undiszipliniert auftretenden Mannschaften handelt:
Begründung Nummer 1: „Das sind doch nur Kinder!“
Man möchte also, dass sein Kind/sein Spieler nach einem groben Foulspiel keine Zeitstrafe bekommt, nur weil es ein Kind ist. Das Kind soll offenbar lernen, dass es Sonderbehandlung für sich beanspruchen darf und es sich mit Recht aufregen darf, wenn diese ihm nicht zu Teil wird.
Wann soll ein Kind lernen, dass allgemeine Regeln auch für ihn gültig sind? Dann, wenn seine Eltern und Betreuer das selbe gelernt haben – also am St. Nimmerleinstag?
Begründung Nummer 2: „Der Spieler hat sich doch entschuldigt!“
Das stimmte. Der Spieler stand lange beim Torhüter und machte entschuldigende Gesten. Das hat mir gefallen. Das sollte allerdings aber auch eine Selbstverständlichkeit sein. Selbst wenn der Zusammenstoß unglücklich zu Stande gekommen sein sollte und der Spieler das nicht vorhersehen konnte, hat ein Fuß nichts am Kopf des Torhüters verloren und eine Zeitstrafe ist schon deswegen angezeigt, damit alle aufpassen, das sich dergleichen nicht wiederholt. Und da hätte es den Betreuern gut zu Gesicht gestanden, wenn sie ein Vorbild darin gewesen wären, diese Entscheidung zu akzeptieren.

Mannschaften dieses Vereins, RW Frankfurt, sind uns in ähnlicher Weise schon öfter aufgefallen (hier, hier) – keineswegs aber immer (z.B. hier).

2. Spiel: RWW – JSG Klein-Gerau/Büttelborn 2:0
Dieses Spiel habe ich gesehen. Hier war die Konzentration auch wieder da. Das war auch nötig, denn die JSG zeigte eine ansprechende Leistung. Auch die Klein-Gerauer waren in der Lage, sich mit Tempo in Richtung unseres Tores zu kombinieren.
In diesem Spiel konnte Dogukan gleich zeigen, dass er für unsere Mannschaft wertvoll sein kann. Er zeigte sich athletisch und robust in der Abwehr. Nach einem Ballgewinn erkannte er den freien Raum vor sich, stieß in denselben, zog damit Abwehrspieler der JSG auf sich und legte Adil das 1:0 auf. Furkan2 besorgte dann das 2:0.

3. Spiel: RWW – VfB Unterliederbach 2:0
Nach Blitzstart und zwei schnellen Toren von Adil, habe die Mannschaft einen Gang runtergeschaltet. Der Sieg sei aber nicht in Gefahr gewesen.

Eine Mutter aus dem Lager von RW Frankfurt kam zu mir, um sich über den Schiedsrichter zu beschweren. Er rede zuviel mit den Kindern. Das sei nicht gut. Das seien doch Kinder.

4. Gruppenspiel: RWW – Fortuna Mombach 7:0
Dogukan erzielt seine ersten beiden Treffer. Gratulierung! Adil (2), Adrian1, Miki und Malte schossen die übrigen Tore.

Die insgesamt fünf eingesetzten Schiedsrichter machten ihre Sache nach meiner Einschätzung insgesamt sehr gut. Und hinter den Kulissen stellte der ein oder andere fest, dass es sich bei ihnen durchaus auch um Menschen handelte – und keineswegs um reine Fehlermaschinen.

Nach der Vorrunde hatte unsere Mannschaft den Gruppensieg erzielt, gefolgt von der JSG Klein-Gerau/Bü., die ihre anderen drei Spiele gewonnen hatten. Blau-Gelb qualifizierte sich ebenfalls hauchdünn als zweitbester Gruppendritter für das Viertelfinale.

In der Gruppe B gewann der FV Biebrich alle Spiele. Der FC Eddersheim zeigte sich ebenfalls sehr stark und wurde Gruppenzweite. Viktoria Griesheim und RW Frankfurt waren mit den jüngeren Jahrgängen am Start und mussten wie die SKV Mörfelden nach der Vorrunde die Heimreise antraten.

In der Gruppe C war die Walldorfer D2 am Start. Da diese Mannschaft sehr vom Verletzungspech gebeutelt ist, mussten gleich drei D3-Spieler, sowie Enes, Lorenz und Rico aus unserer Mannschaft einspringen. Nach holprigem Beginn steigerten sich das Team von Spiel zu Spiel und erreichte am Ende einen sehr guten 2. Platz hinter der SG Rosenhöhe – noch vor dem FSV Steinbach und der TSG Wieseck. Die Sportfreunde Frankfurt (Heimatverkein von Herrn Kasimir!) fehlte unentschuldigt. Bei der D2 glänzte besonders Enes. Er verteilte die Bälle so geschickt wie seine Schwester zur selben Zeit die Kuchenstücke an der Verpflegungstheke.

Viertelfinale: RWW – FSV Steinbach 0:0; 5:4 n. A.
Dieses Spiel fand wieder auf dem Rasenplatz, so dass die Turnierleitung das Ganze beobachten konnte. Es war ein Spiel auf ein Tor. Lattenkracher von Christoph. Knapp verzogen von Malte. Glanzparade gegen einen Weitschuss von Anton. Solche Spiele haben wir immer wieder.
Beim Achtmeterschießen traf der 1. Steinheimer nur den Pfosten. Das war schon mehr als sich der Gegner erlauben durfte. Die RW-Schützen ließen dem guten Steinheimer Torhüter keinerlei Abwehrchancen.

Viertelfinale: RWW2 – JSG Klein-Gerau/Büttelborn 1:1; 5:3 n. A.
Es war ein ausgegleichenes Spiel mit Torchancen auf beiden Seiten. Eine 100%-ige vertändelten unsere Zweier gleich zu Beginn. Die JSG ging mit einem direkten Freistoß in Führung. Enes erzielte mit einem schönen Distanzschuss den Ausgleich.
Matchwinner im Achtmeterschießen war Rico, der gleich zwei Schüsse halten konnte.

Halbfinale: RWW1 – FV Biebrich 1:0
Der Schiedsrichter berichtete mir hinterher, dass Walldorf gut gespielt habe, eine Reihe guter Torchancen gehabt hätte und verdient ins Finale eingezogen sei. Das Tor schoss Adrian1.

Halbfinale: RWW2 – FC Eddersheim 2:0
Und eine weitere Steigerung der Kämpfner/Wissenbach-Teams. Ich hatte bis dahin alle Spiele der Eddersheimer mehr oder weniger verfolgen können. Gegen kein anderes Team waren sie derart unter Druck gewesen. Enes erzielte wiederum mindestens ein Tor mit Strafstoß. Diesen hatte der sehr spielfreudige Altin herausgeholt, ein Neuzugang aus Raunheim, der ebenfalls seinen ersten Auftritt für Walldorf hatte – wenn ich es richtig verstanden habe. Bei einem weiteren Lattentreffer und Fehlanzeige auf der Gegenseite war der Sieg auch in der Deutlichkeit verdient.

Und dann ein Stück gelebte Demokratie! Die Zuschauer durften entscheiden, auf welchem Platz die Finalspiele ausgetragen wurden. Ursprünglich war der Kunstrasenplatz dafür vorgesehen. Das gewichtige Zünglein an der Waage war hier aber die Anhängerschaft aus Eddersheim, die für den Rasenplatz die Welle machten. Hier hätte die Politik viel von uns lernen können.

Spiel um Platz 3: FC Eddersheim – FV Biebrich 1:0

Finale: RWW1 – RWW2 1:1, 6:5 n. A.
Auch im Finale schlugen sich die D2er prächtig. Gleich zu beginn erzielten sie nach einer Ecke die Führung durch den D3-Spieler Can. Nur zwei Minuten später erzielte Adil den Ausgleich. In der Folge war RWW1 leicht überlegen und hatte die besseren Chancen. Chancenlos war die D2 aber nicht und sie hatte sich am Ende das Unentschieden verdient.
Wie schon beim letzten Aufeinandertreffen musste so ein Achtmeterschießen entscheiden.
Alle 10 Strafstöße waren hart und platziert. Den einzig halbwegs haltbaren Ball – weil halbhoch geschossen – parierte Yannick1.
Schade für die D2 – aber dieses Turnier sollte Ansporn für neue Taten sein.

Turniersieg für die D1 – falls nicht der Anwalt von Herrn Kämpfner noch Beschwerde einlegt.

Alles gewonnen, alles verkauft, alle zufrieden.
Und obwohl wir nie auf die Uhr geschaut hatten, wurde das Turnier auf die Minute pünktlich beendet. Das sage ich ohne anzugeben.

Am Ende sammelte übrigens ein Schiedsrichter die Spielberichtsbögen ein. Die müsse er heute selbst beim Verband einreichen. Er habe nämlich im letzten Gruppenspiel einem Spieler die rote Karte zeigen und dessen Spielerpass einziehen müssen – einem Spieler von RW Frankfurt. Das hatte ich gar nicht mitbekommen.

Und am nächsten Samstag – tätäräää! – Hessenmeisterschaft in Bensheim!

Heute aber spielten:
Yannick1 – Adil (6 Tore), Adrian1 (1), Adrian2, Anton, Christoph, Dogukan (2), Furkan2 (1), Malte (1), Micki (1), Okan, Yannick2.

Für die D2 spielten:
Rico – Altin, Alberto, Can, Enes, Lorenz, Oskar, Patrik, Paul, Tamer, Tim.

 


Tags: , , , , ,

gelesen: 2428 · heute: 3 · zuletzt am: 22. Oktober 2018

5 Antworten zu “Kämpfner um ein Haar Turniersieger!”

  1. Reinhard 18. Jun, 2013 am 00:03 #

    Gelungener Bericht Herr Cezanne, wie gewohnt.

    2 redaktionelle Korrekturen:

    Von der D3 haben uns 3 Spieler ausgeholfen, der noch fehlende war Tamer.
    Altin hat schon die letzten drei Turniere bei uns gespielt und bereits da einen guten Eindruck hinterlassen.

    Und ja, mein Anwalt hat mir den Rat gegeben die Tore aufzustellen.
    Und nein, es gibt keine Beschwerde gegen den verdienten Turniersieg der D1.

    Wir kommen wieder

  2. Carsten 18. Jun, 2013 am 10:04 #

    Schade, schade schade,… das ich nicht dabei sein konnte! Herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Turnier!

  3. Michael K. 18. Jun, 2013 am 12:47 #

    Grooooßes Dankeschön an Christine und Dirk für die spontane Unterstützung in der Grillhütte. Zu zweit hätten wir das sicher nicht geschafft und wer weiß, wie das dann ausgegangen wäre…..

  4. Okan 18. Jun, 2013 am 14:03 #

    Manfred habe ich nicht mitgespielt ?;-) viele Grüße okan

  5. Michael K. 18. Jun, 2013 am 14:52 #

    Schlamperei, wird korrigiert

Hinterlassen Sie eine Antwort